Mina-Knallenfalls Comments http://MinaKnallenfalls.blogsport.de Es ist ein bekannter Fluch des Kapitalismus, die Bedürfnisse der Welt nach den wirtschaftlichen Forderungen der Liefernden zu regeln. Nicht ob du Zahnbürsten brauchst, ist das wesentliche, sondern, daß es eine Fabrik gibt, die ihre Million Zahnbürsten im Jahr absetzen muß. Und bist du nicht willig, so braucht sie Gewalt, von der Reklame bis zum Zoll.“ Kurt Tucholsky, „Offiziere“, 1920. Sat, 24 Feb 2018 20:45:32 +0000 http://wordpress.org/?v=1.5.1.2 by: A.K http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2012/10/10/aufruf-zur-solidaritaet-mit-den-busfahrerinnen-der-wsw/#comment-3356 Thu, 07 Feb 2013 17:31:56 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2012/10/10/aufruf-zur-solidaritaet-mit-den-busfahrerinnen-der-wsw/#comment-3356 Sehr geehrte(r) Redakteur(in), ich habe gelesen das Sie Kritik am Döppersberg-Neubau üben und würde diese gerne im Rahmen meiner Facharbeit benutzen. Schreiben Sie mir doch einfach eine Mail. Vielen Dank Sehr geehrte(r) Redakteur(in),
ich habe gelesen das Sie Kritik am Döppersberg-Neubau üben und würde diese gerne im Rahmen meiner Facharbeit benutzen.
Schreiben Sie mir doch einfach eine Mail.

Vielen Dank

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by: Tomas Andersson http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2009/04/14/1mai-demo-1997/#comment-1061 Sat, 16 Oct 2010 19:49:31 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2009/04/14/1mai-demo-1997/#comment-1061 18) Wie höre ich am schnellsten und am einfachsten auf zu rauchen? 18) Wie höre ich am schnellsten und am einfachsten auf zu rauchen?

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by: Tomas Andersson http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/02/11/mahlzeit-mittenwald/#comment-1059 Sat, 16 Oct 2010 15:22:09 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/02/11/mahlzeit-mittenwald/#comment-1059 39. Vielen Dank für den Kommentar. Ich wusste, ich habe ein zartes Gemüt. 39. Vielen Dank für den Kommentar. Ich wusste, ich habe ein zartes Gemüt.

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by: münte http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/03/24/148/#comment-366 Tue, 30 Mar 2010 23:16:28 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/03/24/148/#comment-366 <b><a href="http://www.dailymotion.com/video/xcqttk_rede-maurice-cling-in-mittenwald_news">Rede Maurice Cling in Mittenwald</a></b><i>Hochgeladen von <a href="http://www.dailymotion.com/keine-ruhe-org">keine-ruhe-org</a>. - <a href="http://www.dailymotion.com/de/channel/news">Nachrichtenvideos top aktuell.</a></i> Rede Maurice Cling in MittenwaldHochgeladen von keine-ruhe-org. – Nachrichtenvideos top aktuell.

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by: Administrator http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2009/05/12/wenn-alter-vor-strafe-schuetzt/#comment-339 Wed, 24 Mar 2010 13:28:54 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2009/05/12/wenn-alter-vor-strafe-schuetzt/#comment-339 by: Administrator http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/03/20/aufruf-zur-befreiungsfeier-am-8-9-mai-2010-in-mittenwald/#comment-335 Sun, 21 Mar 2010 09:26:35 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/03/20/aufruf-zur-befreiungsfeier-am-8-9-mai-2010-in-mittenwald/#comment-335 Denkmal für Nazi-Opfer in Mittenwald Von Hermann Weiß 21. März 2010, 04:00 Uhr Welt Das dunkle Erbe der Gebirgsjägertruppe Ein Denkmal soll künftig in Mittenwald an die Opfer von Verbrechen erinnern, die von der einheimischen Gebirgsjägertruppe im Zweiten Weltkrieg begangen wurden. Nach jahrelangen Kontroversen und teilweise bitteren gegenseitigen Anfeindungen hat die Gemeinde damit einen Weg gefunden, um mit dem schweren, historischen Erbe umzugehen. Das Denkmal soll am heutigen Sonntag von der Gemeinde Mittenwald, dem Arbeitskreis "Angreifbare Traditionspflege" sowie Überlebenden des Holocaust offiziell eingeweiht werden. Oberbürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) erhofft sich davon einen "versöhnlichen Abschluss" der quälenden Debatte. Nicht nur wie man mit der Geschichte umgehen sollte, war in Mittenwald lange umstritten. Umstritten war auch das Denkmal. Der Arbeitskreis hatte es 2009 während einer Demonstration gegen die Traditionspflege des Kameradenkreises der Gebirgsjäger vor dem Bahnhof Mittenwald aufgestellt. Die Gemeinde hatte es wieder entfernt, weil es "widerrechtlich und ohne Rücksprache mit dem Besitzer auf öffentlichem Grund aufgestellt" worden war. Gemeinsam suchte man nun nach einem anderen Platz - und fand ihn vor der Grund- und Hauptschule. Das Denkmal besteht aus einer massiven Metallstele und einer Glasvitrine mit der Inschrift "Nie wieder Faschismus". Hinter dem Glas liegen Steine und Überbleibsel aus den Ruinen des von Gebirgsjägern am 27. Juni 1944 zerstörten italienischen Ortes Falzano di Cortona, die von der dortigen Gemeinde gestiftet wurden. Das brutale Verbrechen ist in Falzano bis heute unvergessen: 15 Zivilisten waren dort als Vergeltung für einen Partisanenüberfall erschossen worden. Auch die Erschießung von mehr als 4000 italienischen Soldaten auf der griechischen Insel Kephallonia 1943 geht auf das Konto der Gebirgsjäger, deren Kameradschaftskreis trotzdem jahrzehntelang, seit 1952, Gedenkfeiern für seine gefallenen Soldaten organisierte. Der politische Druck des Arbeitskreises "Angreifbare Traditionspflege" hatte dazu beigetragen, dass sich ein Mitglied des Kameradenkreises, Josef Scheungraber, im vergangenen Jahr in München vor Gericht verantworten musste und wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Scheungrabers Einheit war an der Ermordung der 15 Zivilisten in Falzano di Cortona beteiligt gewesen. Zur heutigen Feierstunde hat neben Mittenwalder Offiziellen, Vertretern beider Kirchen und noch lebenden Zeitzeugen auch der Bürgermeister der Gemeinde Cortona, Andrea Vignini, sein Kommen zugesagt. Ein schwerer Gang. Aber auch ein Zeichen der Hoffnung. ws Denkmal für Nazi-Opfer in Mittenwald
Von Hermann Weiß 21. März 2010, 04:00 Uhr Welt

Das dunkle Erbe der Gebirgsjägertruppe

Ein Denkmal soll künftig in Mittenwald an die Opfer von Verbrechen erinnern, die von der einheimischen Gebirgsjägertruppe im Zweiten Weltkrieg begangen wurden. Nach jahrelangen Kontroversen und teilweise bitteren gegenseitigen Anfeindungen hat die Gemeinde damit einen Weg gefunden, um mit dem schweren, historischen Erbe umzugehen. Das Denkmal soll am heutigen Sonntag von der Gemeinde Mittenwald, dem Arbeitskreis „Angreifbare Traditionspflege“ sowie Überlebenden des Holocaust offiziell eingeweiht werden. Oberbürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) erhofft sich davon einen „versöhnlichen Abschluss“ der quälenden Debatte.

Nicht nur wie man mit der Geschichte umgehen sollte, war in Mittenwald lange umstritten. Umstritten war auch das Denkmal. Der Arbeitskreis hatte es 2009 während einer Demonstration gegen die Traditionspflege des Kameradenkreises der Gebirgsjäger vor dem Bahnhof Mittenwald aufgestellt. Die Gemeinde hatte es wieder entfernt, weil es „widerrechtlich und ohne Rücksprache mit dem Besitzer auf öffentlichem Grund aufgestellt“ worden war. Gemeinsam suchte man nun nach einem anderen Platz – und fand ihn vor der Grund- und Hauptschule.

Das Denkmal besteht aus einer massiven Metallstele und einer Glasvitrine mit der Inschrift „Nie wieder Faschismus“. Hinter dem Glas liegen Steine und Überbleibsel aus den Ruinen des von Gebirgsjägern am 27. Juni 1944 zerstörten italienischen Ortes Falzano di Cortona, die von der dortigen Gemeinde gestiftet wurden. Das brutale Verbrechen ist in Falzano bis heute unvergessen: 15 Zivilisten waren dort als Vergeltung für einen Partisanenüberfall erschossen worden. Auch die Erschießung von mehr als 4000 italienischen Soldaten auf der griechischen Insel Kephallonia 1943 geht auf das Konto der Gebirgsjäger, deren Kameradschaftskreis trotzdem jahrzehntelang, seit 1952, Gedenkfeiern für seine gefallenen Soldaten organisierte.

Der politische Druck des Arbeitskreises „Angreifbare Traditionspflege“ hatte dazu beigetragen, dass sich ein Mitglied des Kameradenkreises, Josef Scheungraber, im vergangenen Jahr in München vor Gericht verantworten musste und wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Scheungrabers Einheit war an der Ermordung der 15 Zivilisten in Falzano di Cortona beteiligt gewesen.

Zur heutigen Feierstunde hat neben Mittenwalder Offiziellen, Vertretern beider Kirchen und noch lebenden Zeitzeugen auch der Bürgermeister der Gemeinde Cortona, Andrea Vignini, sein Kommen zugesagt. Ein schwerer Gang. Aber auch ein Zeichen der Hoffnung. ws

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by: Administrator http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/02/11/mahlzeit-mittenwald/#comment-247 Sun, 14 Feb 2010 14:28:11 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/02/11/mahlzeit-mittenwald/#comment-247 Kameradschaft mit Kriegsverbrechern von gestern und heute Der neue Kriegsminister, Soldatenehre und die Traditionspflege der Bundeswehr Mechthild Exo und Inge Höger „Für ein Bekenntnis zu unserer Bundeswehr, auch und gerade zu einer solchen im Einsatz, muss man sich in diesem Lande wirklich nicht schämen.“ Mit diesem Satz trat am 11. November 2009 Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg seine Zeit im Bundestag als Kriegsminister an. Zwei Monate zuvor haben über 140 Menschen, in der Mehrzahl wahrscheinlich Zivilisten, einen solchen Einsatz in Kooperation mit der US-Luftwaffe in der Nähe von Kunduz nicht überlebt – doch die Beschämung dafür war zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema. In seiner Rede zitierte zu Guttenberg auch aus dem Eid der Bundeswehrsoldaten, die damit schwören „tapfer [Recht und Freiheit] zu verteidigen“ und „treu zu dienen“. Er redet von der Aufgabe der Soldaten „sich der Gefahr zu stellen“ und „ihr Leben für uns zu opfern“, „wenn wir die Bundeswehr in ihre bisweilen gefährlichen Einsätze entsenden“. So manchen Abgeordneten mit antimilitaristischer Haltung schauderte es bei diesem Auftritt. Schlimmes muss befürchtet werden, gerade auch für die Arbeit im Verteidigungsausschuss. Solch ein militaristisches Auftreten im Parlament durch Sprache und Körperhaltung, solche Worte des stolzen und fordernden Eintretens für bewaffnete Auslandseinsätze, solche Einstimmung auf bestehende und zukünftige Kriegsführung sind ein großer Sprung voran in der bereits bekannten Entwicklung Deutschlands zur Kriegsführung - für Zugang zu Rohstoffen und Energieressourcen, für sichere Handelswege und die Kontrolle von Migrationsbewegungen und Aufständen. Herr zu Guttenberg stellte auch gleich klar, dass von Kriegsverhältnissen in Afghanistan gesprochen werden kann, auch wenn die völkerrechtliche Lage sich davon unterscheide. Damit weist er die Richtung, die er Ende November in Washington vor dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington so formuliert: „Deutsche Militäreinsätze müssen normaler und breiter akzeptiert werden.“ (www.ftd.de, 20.11.2009) Mit der Benennung von Krieg präsentiert sich zu Guttenberg sich auch als derjenige mit Verständnis für die Wahrnehmung der Soldaten im Einsatz – und versucht dies beizubehalten auch nachdem er um eine Rücknahme seiner Rechtfertigung der Luftbombardierungen auf die Zivilbevölkerung bei den Tanklastzügen nicht herum kam. In seiner Rede (03.12.2009) anlässlich der Verlängerung des ISAF-Mandates des Bundeswehr und der „Neubewertung der Vorfälle in Kunduz“ betont zu Guttenberg, deshalb „...korrigiere ich meine Beurteilung allerdings nicht betreffend meines Verständnisses von Oberst Klein, […] weshalb ich Oberst Klein nicht fallen lassen werde. Das würde sich nicht gehören.“ „Ich darf in aller Klarheit sagen, dass Oberst Klein mein volles Verständnis dafür hat, dass er angesichts kriegsähnlicher Zustände um Kunduz angesichts anhaltender Gefechte in diesen Tagen […] subjektiv von der militärischen Angemessenheit seines Handelns ausgegangen ist. Dafür hat er mein Verständnis.“ (www.bmvg.de) Wofür Minister Jung, Staatssekretär Wichert und Generalinspekteur Schneiderhan schon gestürzt wurden und was Merkel und Guttenberg in die Defensive bringt, soll für einen Befehlsgeber der Bundeswehr in „kriegsähnlichen“ Verhältnissen immer noch angemessen sein! Zu Guttenberg hat zuerst unter den Gebirgsjägern in Mittenwald gelernt, was sich unter Militärs gehört. Dort leistete er nach eigenen Angaben seinen Wehrdienst mit großer Zufriedenheit und habe "Kameradschaft kennen gelernt, wie ich sie in dieser Form noch nicht kannte" – und blieb gleich Reservist. Das ehrenvolle Soldatentum – auch in historischer Kontinuität – wird bei den Gebirgsjägern besonders gepflegt. Dafür stehen diese seit Jahren in der Kritik. Die jährlichen Pfingsttreffen des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, bei der Bundeswehrsoldaten, Wehrmachts- und SS-Veteranen zusammen kommen, machen keinen Bruch zu den Verbrechen und Verbrechern der nationalsozialistischen Kriegsführung. Im Zweiten Weltkrieg waren die Gebirgsjäger verantwortlich für zahlreiche Massaker an der Zivilbevölkerung zum Beispiel in Griechenland, Italien und Frankreich. Zu den bis auf den heutigen Tag verfolgten Zielen des Kameradenkreises der Gebirgsjäger gehört die „Pflege der Kameradschaft im Geiste des ehrenvollen deutschen Soldatentums, die „dem Einsatz und der Hilfe für unsere Kriegsverurteilten, für unsere in Haft zurückgehaltenen Kameraden“ diene, denen man „tätige Kameradenhilfe zu beweisen“ habe. (1952 von Generalleutnant Wittmann formuliert) „Die Werte dieser als gemeinnützig anerkannten Selbsthilfegruppe [von Kriegsverbrecher], in der sich patriarchalische Männerbündelei, Vaterland, Nation und Kameradschaft eng mit dem Alpinismus zu einer politisch rechtsextremen Melange verbinden, werden seit mehr als 50 Jahren an die Bundeswehr weiter gegeben.“ (14.09.08, Arbeitskreis gegen angreifbare Traditionspflege) Die Bundeswehr unterstützt den Kameradenkreis der Gebirgsjäger durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten für deren Archiv und für Versammlungen. Zudem spielt das Musikkorps der Bundeswehr bei den jährlichen Heldengedenkfeiern in Mittenwald. 2009 hielt der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hans-Otto Budde eine Ansprache. Zu den beitragszahlenden Mitgliedern des Kameradenkreises zählen der bayerischen Ministerpräsident a. D. Edmund Stoiber, der derzeitige Chef der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Wolf-Dieter Löser, sowie der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Christian Schmidt (CSU). Die Gebirgsjäger stehen zusammen gegen die Aufklärung und mögliche strafrechtliche Verfolgung der begangenen historischen Massaker - zuletzt im Strafverfahren gegen den im August 2009 dann doch zu lebenslanger Haft wegen 10-fachen Mordes verurteilten NS-Kriegsverbrecher Josef Scheungraber aus Ottobrunn. Möchte Minister Guttenberg an diesen Geist anknüpfen mit seiner Rückenstärkung für Oberst Klein, der den Befehl erteilte für das erste deutsche Massaker seit 1945? Doch der öffentliche Druck setzt ihm - hoffentlich - Grenzen. Es gibt zahlreiche Beispiele dafür wie der Einfluss einer ungebrochenen Tradition aus der Wehrmacht in die Bundeswehr von heute nur durch engagierte Aufklärungsarbeit und Protest eingeschränkt werden konnte. Lieder und Kriegsgeschichten der Wehrmacht, die Soldaten in Kampfstimmung versetzen sollten, waren (sind?) in den Ausbildungshandbüchern der Bundeswehr abgedruckt. Erst nach ein Anfrage der Fraktion DIE LINKE und einer Sendung des Politmagazins Kontraste (09.04.2009) wurde angekündigt, die Bücher zu überarbeiten und die Texte nicht mehr einzusetzen. Auch das Handbuch „Wegweiser zur Geschichte – Afghanistan“, die an alle in Afghanistan eingesetzten Bundeswehrangehörigen ausgegeben wird, wurde inzwischen mehrfach überarbeitet nach kritischer Offenlegung, dass der Beitrag zur nationalsozialistischen Geheimdienstarbeit in Afghanistan durch einen noch lebenden, rechtsradikalen Kreisen nahestehenden ehemaligen Angehörigen der Spezialeinheit „Brandenburger“ geschrieben wurde – selbstredend unkritisch. Die Spezialdivision „Brandenburg“ war eine Sondereinheit der Wehrmacht und ist bekannt für ihre verbrecherischen Methoden und Massaker insbesondere bei der Partisanenbekämpfung. Sie kämpften unter anderem in Geheimoperationen – wie in Afghanistan von 1941 bis 43 als „Unternehmen Tiger“, das eine weitere Angriffskriegsfront gegen Indien vorbereitete. Ein Angehöriger dieses Unternehmens, der Agent Dr. Manfred Oberdörffer, starb bei diesem Einsatz. Sein Grab ist mit Foto auch in der überarbeiteten Ausgabe des „Wegweiser Afghanistan“ abgedruckt. Allein der Hinweis, dass dieses Grab durch ISAF-Soldaten gepflegt wird, ist verschwunden. Die Gedenktafeln für die in Afghanistan gestorbenen deutschen ISAF-Soldaten befinden sich gleich neben dem Grab von Oberdörffer auf dem internationalen Friedhof von Kabul. Kommandeure heutiger deutscher Sondereinheiten aus Militär und Polizei – das Kommando Spezialkräfte (KSK) und die Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) – sehen in der Division „Brandenburg“ ein Vorbild. Im Buch „Geheime Kriege – drei deutsche Kommandoverbände im Bild“, erschienen im rechtsextremen Verlag Pour le Merite (2006), wird diese von den Generälen a.d. Reinhard Günzel (KSK) sowie Ulrich K. Wegener (GSG 9) als traditionsstiftend für die von ihnen angeführten Spezialeinheiten bezeichnet. Günzel: „Die Kommandosoldaten des KSK wissen genau, wo ihre Wurzeln liegen. Die Einsätze der ‚Brandenburger’ […] gelten der Truppe geradezu als legendär.“ Wegener sieht vor allem „Kameradschaft und Korpsgeist der ‚Brandenburger als vorbildhaft, sowie die „unkonventionelle“ Vorgehensweise, die „Raffinesse“ und die „Fähigkeit zur Gegnertäuschung“. Terroristische Methoden und Kriegsverbrechen gehen auf das Konto der Brandenburger. Ihre Kampfweise war auch nach damaligem Kriegsvölkerrecht nicht gedeckt und schloss beispielsweise das Tragen gegnerischer Uniformen ein. Die Bundesregierung bleibt trotz Anfrage viele Antworten schuldig (Bundestagsdrucksache 16/14021). Aus Bundeswehrkreisen ist uns bekannt, dass im Rahmen der ISAF-Mission auf dem internationalen Friedhof in Kabul militärischen Ehrungen durchgeführt wurden, die auch die Ehrung des Wehrmachtoffiziers Oskar Ritter von Niedermayer einschloss. Dieser Herr von Niedermayer gehörte seit 1939 zum Beirat der „Forschungsabteilung Judenfrage“ am Reichsinstitut für Geschichte des Neuen Deutschlands an, das der wissenschaftlichen Untermauerung der NS-Propaganda diente. Niedermayer war seit 1937 Leiter des „Instituts für allgemeine Wehrlehre“ an der Berliner Universität. Er forschte unter anderem über den Einsatz von Sonderverbänden und er wurde selbst als Offizier zu mehreren Geheimmissionen in Afghanistan eingesetzt. Später übernahm er die Aufstellung einer Spezialeinheit, die er im Kampf gegen Partisanen im Balkan kommandierte. Im „Wegweiser Afghanistan“ des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) wird von Niedermayer hervorgehoben als Akteur für die „guten deutsch-afghanischen Beziehungen“. Auch Niedermayers Propagierung von ‚raumgreifenden’ Operationen im Orient wird geschildert. Eine Kritik sucht die aufmerksame Leserin jedoch vergeblich. Gleichwohl ist es der Bundesregierung nicht peinlich zu antworten: „Die Ausführungen zu Oskar Ritter von Niedermayer sind Teil der kritischen Darstellung der Rolle des Deutschen Reiches in Afghanistan im Zeitalter der Weltkriege“ (16/14021). Floskelhaft wird die Frage zur militärischen Ehrung abgehakt: „Die Bundeswehr gedenkt zu verschiedenen Gelegenheiten auch im Ausland gefallener Soldaten und ebenso der Opfer von Gewalt, Flucht und Vertreibung“ (ebd.). Niedermayer ist nicht in Afghanistan „gefallen“, sondern in russischer Kriegsgefangenschaft gestorben. Seine von Hitler ausdrücklich geförderte wissenschaftliche Karriere u.a. durch geheimdienstliche Forschungsaufträge können schwerlich als erbrachte Opfer verstanden werden. Warum wird er in Kabul militärisch geehrt? Es ist zu befürchten, dass unter der Führung des Verteidigungsministeriums durch den ehemaligen Gebirgsjäger Freiherr zu Guttenberg kaum erwartet werden kann, dass Ehrungen für an verbrecherischen militärischen Aktivitäten beteiligten Soldaten aufhören werden. Eher werden Ehrungen gegenwärtiger Verbrecher folgen. Das neue Ehrenmal der Bundeswehr wurde nur vier Tage nach dem verheerenden Luftbombardement von Kunduz eingeweiht – selbstredend nicht zum Gedenken der Opfer der Einsätze der Bundeswehr, sondern der tapferen SoldatInnen. Entsprechend wurde im Juli 2009 auch erstmalig seit dem Nationalsozialismus wieder ein Tapferkeitsorden verliehen. Eine neue Kriegermentalität – ummantelt mit dem Euphemismus des „Einsatzes für den Frieden“ - wird etabliert. Zum Glück treffen die Ehrungs- und Tapferkeitsveranstaltungen überall auf Widerstand: die Gebirgsjägertreffen werden seit Jahren von Protesten beunruhigt, die Feier im Bundestag anlässlich des 15. Jahrestages bewaffneter Bundeswehreinsätzen wurde gestört, die Ehrenmaleröffnung und die erste Vergabe der Tapferkeitsorden wurden mit antimilitaristischen Transparent- und Theateraktionen begleitet, die zunehmenden öffentlichen Gelöbnisse und Verabschiedungen werden gestört wie überhaupt öffentliche Werbeauftritte der Bundeswehr, die unter Rekrutierungsproblemen leidet. Es braucht eine breite, vielfältig handelnde antimilitaristische Bewegung. Ein Verteidigungsminister, der einer Strafermittlung vorweg greift und einen Kameradengeist pflegt, indem er den Angeklagten Oberst Klein wissen lässt, dass dieser „mit vollem Verständnis“ seines neuen obersten Dienstherren das Massaker befohlen hat – wenn auch „militärisch nicht angemessen“ -, wird Schneiderhan, Wichert und Jung nachfolgen müssen! Erschienen in: Friedensjournal, Januar 2010 Kameradschaft mit Kriegsverbrechern von gestern und heute

Der neue Kriegsminister, Soldatenehre und die Traditionspflege der Bundeswehr

Mechthild Exo und Inge Höger

„Für ein Bekenntnis zu unserer Bundeswehr, auch und gerade zu einer solchen im Einsatz, muss man sich in diesem Lande wirklich nicht schämen.“ Mit diesem Satz trat am 11. November 2009 Dr. Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg seine Zeit im Bundestag als Kriegsminister an. Zwei Monate zuvor haben über 140 Menschen, in der Mehrzahl wahrscheinlich Zivilisten, einen solchen Einsatz in Kooperation mit der US-Luftwaffe in der Nähe von Kunduz nicht überlebt – doch die Beschämung dafür war zu diesem Zeitpunkt noch kein Thema. In seiner Rede zitierte zu Guttenberg auch aus dem Eid der Bundeswehrsoldaten, die damit schwören „tapfer [Recht und Freiheit] zu verteidigen“ und „treu zu dienen“. Er redet von der Aufgabe der Soldaten „sich der Gefahr zu stellen“ und „ihr Leben für uns zu opfern“, „wenn wir die Bundeswehr in ihre bisweilen gefährlichen Einsätze entsenden“. So manchen Abgeordneten mit antimilitaristischer Haltung schauderte es bei diesem Auftritt. Schlimmes muss befürchtet werden, gerade auch für die Arbeit im Verteidigungsausschuss. Solch ein militaristisches Auftreten im Parlament durch Sprache und Körperhaltung, solche Worte des stolzen und fordernden Eintretens für bewaffnete Auslandseinsätze, solche Einstimmung auf bestehende und zukünftige Kriegsführung sind ein großer Sprung voran in der bereits bekannten Entwicklung Deutschlands zur Kriegsführung – für Zugang zu Rohstoffen und Energieressourcen, für sichere Handelswege und die Kontrolle von Migrationsbewegungen und Aufständen.

Herr zu Guttenberg stellte auch gleich klar, dass von Kriegsverhältnissen in Afghanistan gesprochen werden kann, auch wenn die völkerrechtliche Lage sich davon unterscheide. Damit weist er die Richtung, die er Ende November in Washington vor dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) in Washington so formuliert: „Deutsche Militäreinsätze müssen normaler und breiter akzeptiert werden.“ (www.ftd.de, 20.11.2009)

Mit der Benennung von Krieg präsentiert sich zu Guttenberg sich auch als derjenige mit Verständnis für die Wahrnehmung der Soldaten im Einsatz – und versucht dies beizubehalten auch nachdem er um eine Rücknahme seiner Rechtfertigung der Luftbombardierungen auf die Zivilbevölkerung bei den Tanklastzügen nicht herum kam. In seiner Rede (03.12.2009) anlässlich der Verlängerung des ISAF-Mandates des Bundeswehr und der „Neubewertung der Vorfälle in Kunduz“ betont zu Guttenberg, deshalb „…korrigiere ich meine Beurteilung allerdings nicht betreffend meines Verständnisses von Oberst Klein, […] weshalb ich Oberst Klein nicht fallen lassen werde. Das würde sich nicht gehören.“ „Ich darf in aller Klarheit sagen, dass Oberst Klein mein volles Verständnis dafür hat, dass er angesichts kriegsähnlicher Zustände um Kunduz angesichts anhaltender Gefechte in diesen Tagen […] subjektiv von der militärischen Angemessenheit seines Handelns ausgegangen ist. Dafür hat er mein Verständnis.“ (www.bmvg.de) Wofür Minister Jung, Staatssekretär Wichert und Generalinspekteur Schneiderhan schon gestürzt wurden und was Merkel und Guttenberg in die Defensive bringt, soll für einen Befehlsgeber der Bundeswehr in „kriegsähnlichen“ Verhältnissen immer noch angemessen sein!

Zu Guttenberg hat zuerst unter den Gebirgsjägern in Mittenwald gelernt, was sich unter Militärs gehört. Dort leistete er nach eigenen Angaben seinen Wehrdienst mit großer Zufriedenheit und habe „Kameradschaft kennen gelernt, wie ich sie in dieser Form noch nicht kannte“ – und blieb gleich Reservist. Das ehrenvolle Soldatentum – auch in historischer Kontinuität – wird bei den Gebirgsjägern besonders gepflegt. Dafür stehen diese seit Jahren in der Kritik. Die jährlichen Pfingsttreffen des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, bei der Bundeswehrsoldaten, Wehrmachts- und SS-Veteranen zusammen kommen, machen keinen Bruch zu den Verbrechen und Verbrechern der nationalsozialistischen Kriegsführung. Im Zweiten Weltkrieg waren die Gebirgsjäger verantwortlich für zahlreiche Massaker an der Zivilbevölkerung zum Beispiel in Griechenland, Italien und Frankreich. Zu den bis auf den heutigen Tag verfolgten Zielen des Kameradenkreises der Gebirgsjäger gehört die „Pflege der Kameradschaft im Geiste des ehrenvollen deutschen Soldatentums, die „dem Einsatz und der Hilfe für unsere Kriegsverurteilten, für unsere in Haft zurückgehaltenen Kameraden“ diene, denen man „tätige Kameradenhilfe zu beweisen“ habe. (1952 von Generalleutnant Wittmann formuliert)

„Die Werte dieser als gemeinnützig anerkannten Selbsthilfegruppe [von Kriegsverbrecher], in der sich patriarchalische Männerbündelei, Vaterland, Nation und Kameradschaft eng mit dem Alpinismus zu einer politisch rechtsextremen Melange verbinden, werden seit mehr als 50 Jahren an die Bundeswehr weiter gegeben.“ (14.09.08, Arbeitskreis gegen angreifbare Traditionspflege)

Die Bundeswehr unterstützt den Kameradenkreis der Gebirgsjäger durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten für deren Archiv und für Versammlungen. Zudem spielt das Musikkorps der Bundeswehr bei den jährlichen Heldengedenkfeiern in Mittenwald. 2009 hielt der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Hans-Otto Budde eine Ansprache. Zu den beitragszahlenden Mitgliedern des Kameradenkreises zählen der bayerischen Ministerpräsident a. D. Edmund Stoiber, der derzeitige Chef der Führungsakademie der Bundeswehr, Generalmajor Wolf-Dieter Löser, sowie der Parlamentarische Staatssekretär im Verteidigungsministerium Christian Schmidt (CSU).

Die Gebirgsjäger stehen zusammen gegen die Aufklärung und mögliche strafrechtliche Verfolgung der begangenen historischen Massaker – zuletzt im Strafverfahren gegen den im August 2009 dann doch zu lebenslanger Haft wegen 10-fachen Mordes verurteilten NS-Kriegsverbrecher Josef Scheungraber aus Ottobrunn. Möchte Minister Guttenberg an diesen Geist anknüpfen mit seiner Rückenstärkung für Oberst Klein, der den Befehl erteilte für das erste deutsche Massaker seit 1945? Doch der öffentliche Druck setzt ihm – hoffentlich – Grenzen.

Es gibt zahlreiche Beispiele dafür wie der Einfluss einer ungebrochenen Tradition aus der Wehrmacht in die Bundeswehr von heute nur durch engagierte Aufklärungsarbeit und Protest eingeschränkt werden konnte. Lieder und Kriegsgeschichten der Wehrmacht, die Soldaten in Kampfstimmung versetzen sollten, waren (sind?) in den Ausbildungshandbüchern der Bundeswehr abgedruckt. Erst nach ein Anfrage der Fraktion DIE LINKE und einer Sendung des Politmagazins Kontraste (09.04.2009) wurde angekündigt, die Bücher zu überarbeiten und die Texte nicht mehr einzusetzen. Auch das Handbuch „Wegweiser zur Geschichte – Afghanistan“, die an alle in Afghanistan eingesetzten Bundeswehrangehörigen ausgegeben wird, wurde inzwischen mehrfach überarbeitet nach kritischer Offenlegung, dass der Beitrag zur nationalsozialistischen Geheimdienstarbeit in Afghanistan durch einen noch lebenden, rechtsradikalen Kreisen nahestehenden ehemaligen Angehörigen der Spezialeinheit „Brandenburger“ geschrieben wurde – selbstredend unkritisch.

Die Spezialdivision „Brandenburg“ war eine Sondereinheit der Wehrmacht und ist bekannt für ihre verbrecherischen Methoden und Massaker insbesondere bei der Partisanenbekämpfung. Sie kämpften unter anderem in Geheimoperationen – wie in Afghanistan von 1941 bis 43 als „Unternehmen Tiger“, das eine weitere Angriffskriegsfront gegen Indien vorbereitete. Ein Angehöriger dieses Unternehmens, der Agent Dr. Manfred Oberdörffer, starb bei diesem Einsatz. Sein Grab ist mit Foto auch in der überarbeiteten Ausgabe des „Wegweiser Afghanistan“ abgedruckt. Allein der Hinweis, dass dieses Grab durch ISAF-Soldaten gepflegt wird, ist verschwunden. Die Gedenktafeln für die in Afghanistan gestorbenen deutschen ISAF-Soldaten befinden sich gleich neben dem Grab von Oberdörffer auf dem internationalen Friedhof von Kabul.

Kommandeure heutiger deutscher Sondereinheiten aus Militär und Polizei – das Kommando Spezialkräfte (KSK) und die Grenzschutzgruppe 9 (GSG 9) – sehen in der Division „Brandenburg“ ein Vorbild. Im Buch „Geheime Kriege – drei deutsche Kommandoverbände im Bild“, erschienen im rechtsextremen Verlag Pour le Merite (2006), wird diese von den Generälen a.d. Reinhard Günzel (KSK) sowie Ulrich K. Wegener (GSG 9) als traditionsstiftend für die von ihnen angeführten Spezialeinheiten bezeichnet. Günzel: „Die Kommandosoldaten des KSK wissen genau, wo ihre Wurzeln liegen. Die Einsätze der ‚Brandenburger’ […] gelten der Truppe geradezu als legendär.“ Wegener sieht vor allem „Kameradschaft und Korpsgeist der ‚Brandenburger als vorbildhaft, sowie die „unkonventionelle“ Vorgehensweise, die „Raffinesse“ und die „Fähigkeit zur Gegnertäuschung“. Terroristische Methoden und Kriegsverbrechen gehen auf das Konto der Brandenburger. Ihre Kampfweise war auch nach damaligem Kriegsvölkerrecht nicht gedeckt und schloss beispielsweise das Tragen gegnerischer Uniformen ein.

Die Bundesregierung bleibt trotz Anfrage viele Antworten schuldig (Bundestagsdrucksache 16/14021). Aus Bundeswehrkreisen ist uns bekannt, dass im Rahmen der ISAF-Mission auf dem internationalen Friedhof in Kabul militärischen Ehrungen durchgeführt wurden, die auch die Ehrung des Wehrmachtoffiziers Oskar Ritter von Niedermayer einschloss. Dieser Herr von Niedermayer gehörte seit 1939 zum Beirat der „Forschungsabteilung Judenfrage“ am Reichsinstitut für Geschichte des Neuen Deutschlands an, das der wissenschaftlichen Untermauerung der NS-Propaganda diente. Niedermayer war seit 1937 Leiter des „Instituts für allgemeine Wehrlehre“ an der Berliner Universität. Er forschte unter anderem über den Einsatz von Sonderverbänden und er wurde selbst als Offizier zu mehreren Geheimmissionen in Afghanistan eingesetzt. Später übernahm er die Aufstellung einer Spezialeinheit, die er im Kampf gegen Partisanen im Balkan kommandierte. Im „Wegweiser Afghanistan“ des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes (MGFA) wird von Niedermayer hervorgehoben als Akteur für die „guten deutsch-afghanischen Beziehungen“. Auch Niedermayers Propagierung von ‚raumgreifenden’ Operationen im Orient wird geschildert. Eine Kritik sucht die aufmerksame Leserin jedoch vergeblich. Gleichwohl ist es der Bundesregierung nicht peinlich zu antworten: „Die Ausführungen zu Oskar Ritter von Niedermayer sind Teil der kritischen Darstellung der Rolle des Deutschen Reiches in Afghanistan im Zeitalter der Weltkriege“ (16/14021). Floskelhaft wird die Frage zur militärischen Ehrung abgehakt: „Die Bundeswehr gedenkt zu verschiedenen Gelegenheiten auch im Ausland gefallener Soldaten und ebenso der Opfer von Gewalt, Flucht und Vertreibung“ (ebd.). Niedermayer ist nicht in Afghanistan „gefallen“, sondern in russischer Kriegsgefangenschaft gestorben. Seine von Hitler ausdrücklich geförderte wissenschaftliche Karriere u.a. durch geheimdienstliche Forschungsaufträge können schwerlich als erbrachte Opfer verstanden werden. Warum wird er in Kabul militärisch geehrt?

Es ist zu befürchten, dass unter der Führung des Verteidigungsministeriums durch den ehemaligen Gebirgsjäger Freiherr zu Guttenberg kaum erwartet werden kann, dass Ehrungen für an verbrecherischen militärischen Aktivitäten beteiligten Soldaten aufhören werden. Eher werden Ehrungen gegenwärtiger Verbrecher folgen. Das neue Ehrenmal der Bundeswehr wurde nur vier Tage nach dem verheerenden Luftbombardement von Kunduz eingeweiht – selbstredend nicht zum Gedenken der Opfer der Einsätze der Bundeswehr, sondern der tapferen SoldatInnen. Entsprechend wurde im Juli 2009 auch erstmalig seit dem Nationalsozialismus wieder ein Tapferkeitsorden verliehen. Eine neue Kriegermentalität – ummantelt mit dem Euphemismus des „Einsatzes für den Frieden“ – wird etabliert.

Zum Glück treffen die Ehrungs- und Tapferkeitsveranstaltungen überall auf Widerstand: die Gebirgsjägertreffen werden seit Jahren von Protesten beunruhigt, die Feier im Bundestag anlässlich des 15. Jahrestages bewaffneter Bundeswehreinsätzen wurde gestört, die Ehrenmaleröffnung und die erste Vergabe der Tapferkeitsorden wurden mit antimilitaristischen Transparent- und Theateraktionen begleitet, die zunehmenden öffentlichen Gelöbnisse und Verabschiedungen werden gestört wie überhaupt öffentliche Werbeauftritte der Bundeswehr, die unter Rekrutierungsproblemen leidet. Es braucht eine breite, vielfältig handelnde antimilitaristische Bewegung. Ein Verteidigungsminister, der einer Strafermittlung vorweg greift und einen Kameradengeist pflegt, indem er den Angeklagten Oberst Klein wissen lässt, dass dieser „mit vollem Verständnis“ seines neuen obersten Dienstherren das Massaker befohlen hat – wenn auch „militärisch nicht angemessen“ –, wird Schneiderhan, Wichert und Jung nachfolgen müssen!

Erschienen in: Friedensjournal, Januar 2010

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by: Administrator http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/02/11/mahlzeit-mittenwald/#comment-236 Fri, 12 Feb 2010 12:56:29 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/02/11/mahlzeit-mittenwald/#comment-236 Veröffentlicht auf hpd (http://hpd.de) Gebirgsjäger im Licht Tomas Häntsch Kommentar MITTENWALD. (hpd) Seit einigen Tagen kann man lesen und hören, dass es im Gebirgsjägerbataillon 233 [1] erniedrigende Übergriffe unter den Mannschaften gegeben haben soll. Sämtliche Medien berichten von diesen Vorgängen, die nun sowohl von den zuständigen Stellen der Bundeswehr als auch von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Ein Kommentar zu den Vorgängen in der Edelweiß Kaserne Anders als beim Skandal in einer Coesfelder Kaserne [2] der nun erneut verhandelt wird, stehen die skandalösen Vorgänge in Mittenwald nicht im Zusammenhang mit der Ausbildung. Das Schikanieren von jungen Rekruten ist allgegenwärtig und das nicht nur in der Bundeswehr. Alle Armeen der Welt liegen im Dunstkreis von Befehl und Gehorsam. Auch bei der Bundeswehr verliert der Rekrut einen Teil seiner Grundrechte [3], daran ändert auch die Verwurzelung der Armee im Rechtstaat nichts. In der Nationalen Volksarmee machten sich die drei Diensthalbjahre untereinander das Leben schwer. Unter anderem wurden Soldaten von Dienst Älteren in einen Besenschrank gesteckt und mussten, immer wenn einer eine Münze einwarf, singen. Musikbox nannte sich dieser „Spaß“. Es wurden weitere Rituale [4] erfunden, die nicht selten mit Verletzungen endeten. Auch Todesfälle soll es gegeben haben, doch Beweise darüber finden sich kaum. Im russischen Militär [5] gibt es dagegen amtlich beglaubigte Suizide, die auf Drangsalierung unter den Mannschaftsdienstgraden hinweisen. Man könnte die Liste noch weiter fortsetzen und Beispiele bringen, die zeigen, dass es sich bei den Vorgängen von Mittenwald um ein global-militärisches Problem [6] handelt. Militärischer Drill und Gehorsam lassen sich mit humanistischen Gedankengut nicht vereinbaren. Im Militär zählt nur die Härte. Das wird den Rekruten schon während der Grundausbildung eingebläut. Wer diese Härte nicht hat oder nicht in der Lage ist, Hartherzigkeit vorzugaukeln, der gerät zuerst in Gefahr, zum Spielball menschenunwürdiger Rituale zu werden. Das Gebirgsjägerbataillon 233 im oberbayrischen Mittenwald ist zudem eine Truppe für extra harte Jungs, denn Gebirgsjäger gelten gemeinhin als Elitesoldaten [7]. Bekannte Politiker wie Edmund Stoiber sowie der jetzige Verteidigungsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), leisteten in diesem Bataillon den Grundwehrdienst ab. Von derartigen Praktiken will der Minister aber nichts wissen und fordert: „Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen [8]." Das ist richtig so, doch werden diese Praktiken nicht einfach so verschwinden, sie werden sicherlich nur noch verborgener durchgeführt. Dem Ansehen der „Edelweiß Kaserne“ wird das einen weiteren Fleck auf die bereits schmutzig geworden Alpenblume bescheren. Denn nicht zum ersten Mal steht das Bataillon im Blickpunkt der kritischen Öffentlichkeit. Immer dann, wenn die „Alten Kameraden“ zum Pfingsttreffen [9] aufmarschieren und der „Heldentaten“ von Gebirgsschützen im 2. Weltkrieg gedenken, wird das beschauliche Örtchen zum Kampfgebiet [10] zwischen den Gestrigen und Gegendemonstranten. Die Bundeswehr ist bemüht, sich zurückzuhalten, wenn diese Festgepränge stattfinden, schafft aber nicht einmal das so ganz, obwohl Zurückhaltung der heuchlerische Weg ist. Es gibt nur einen Weg, wie Herr zu Guttenberg schon sagte: „Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen.“ Denn das Leugnen und Verschweigen, ja das Verehren von Kriegsverbrechen ist eine quasi geistige Entwürdigung der Opfer von damals und diese steht der der körperlichen in keiner Weise nach. Es gibt also viel zu tun in der Edelweiß-Kaserne und in der gesamten Bundeswehr. Hoffentlich packt es jemand an. Thomas Häntsch Quellen-URL: http://hpd.de/node/8811 Verweise: [1] http://www.gebirgsjager.de/htm/ww38.htm [2] http://www.welt.de/politik/deutschland/article5007172/Bundesgerichtshof-rollt-Coesfeld-Prozess-neu-auf.html [3] http://www.jungdemokraten.de/archiv/blatt/bl-01-98/bjugof05.htm [4] http://home.snafu.de/veith/rituale.htm [5] http://de.rian.ru/russia/20100210/125062741.html [6] http://www.wdr.de/radio/wdr2/mima/546966.phtml [7] http://politik-gesellschaft-deutschland.suite101.de/article.cfm/die_deutschen_gebirgsjaeger [8] http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5234070,00.html [9] http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2003/erste8216.html [10] http://tobiaspflueger.twoday.net/stories/672876/ Veröffentlicht auf hpd (http://hpd.de)

Gebirgsjäger im Licht

Tomas Häntsch
Kommentar

MITTENWALD. (hpd) Seit einigen Tagen kann man lesen und hören, dass es im Gebirgsjägerbataillon 233 [1] erniedrigende Übergriffe unter den Mannschaften gegeben haben soll. Sämtliche Medien berichten von diesen Vorgängen, die nun sowohl von den zuständigen Stellen der Bundeswehr als auch von der Staatsanwaltschaft untersucht werden.

Ein Kommentar zu den Vorgängen in der Edelweiß Kaserne

Anders als beim Skandal in einer Coesfelder Kaserne [2] der nun erneut verhandelt wird, stehen die skandalösen Vorgänge in Mittenwald nicht im Zusammenhang mit der Ausbildung. Das Schikanieren von jungen Rekruten ist allgegenwärtig und das nicht nur in der Bundeswehr. Alle Armeen der Welt liegen im Dunstkreis von Befehl und Gehorsam. Auch bei der Bundeswehr verliert der Rekrut einen Teil seiner Grundrechte [3], daran ändert auch die Verwurzelung der Armee im Rechtstaat nichts.

In der Nationalen Volksarmee machten sich die drei Diensthalbjahre untereinander das Leben schwer. Unter anderem wurden Soldaten von Dienst Älteren in einen Besenschrank gesteckt und mussten, immer wenn einer eine Münze einwarf, singen. Musikbox nannte sich dieser „Spaß“. Es wurden weitere Rituale [4] erfunden, die nicht selten mit Verletzungen endeten. Auch Todesfälle soll es gegeben haben, doch Beweise darüber finden sich kaum. Im russischen Militär [5] gibt es dagegen amtlich beglaubigte Suizide, die auf Drangsalierung unter den Mannschaftsdienstgraden hinweisen.

Man könnte die Liste noch weiter fortsetzen und Beispiele bringen, die zeigen, dass es sich bei den Vorgängen von Mittenwald um ein global-militärisches Problem [6] handelt.

Militärischer Drill und Gehorsam lassen sich mit humanistischen Gedankengut nicht vereinbaren. Im Militär zählt nur die Härte. Das wird den Rekruten schon während der Grundausbildung eingebläut. Wer diese Härte nicht hat oder nicht in der Lage ist, Hartherzigkeit vorzugaukeln, der gerät zuerst in Gefahr, zum Spielball menschenunwürdiger Rituale zu werden.

Das Gebirgsjägerbataillon 233 im oberbayrischen Mittenwald ist zudem eine Truppe für extra harte Jungs, denn Gebirgsjäger gelten gemeinhin als Elitesoldaten [7]. Bekannte Politiker wie Edmund Stoiber sowie der jetzige Verteidigungsminister, Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), leisteten in diesem Bataillon den Grundwehrdienst ab. Von derartigen Praktiken will der Minister aber nichts wissen und fordert: „Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen [8].“

Das ist richtig so, doch werden diese Praktiken nicht einfach so verschwinden, sie werden sicherlich nur noch verborgener durchgeführt. Dem Ansehen der „Edelweiß Kaserne“ wird das einen weiteren Fleck auf die bereits schmutzig geworden Alpenblume bescheren. Denn nicht zum ersten Mal steht das Bataillon im Blickpunkt der kritischen Öffentlichkeit. Immer dann, wenn die „Alten Kameraden“ zum Pfingsttreffen [9] aufmarschieren und der „Heldentaten“ von Gebirgsschützen im 2. Weltkrieg gedenken, wird das beschauliche Örtchen zum Kampfgebiet [10] zwischen den Gestrigen und Gegendemonstranten.

Die Bundeswehr ist bemüht, sich zurückzuhalten, wenn diese Festgepränge stattfinden, schafft aber nicht einmal das so ganz, obwohl Zurückhaltung der heuchlerische Weg ist. Es gibt nur einen Weg, wie Herr zu Guttenberg schon sagte: „Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen.“ Denn das Leugnen und Verschweigen, ja das Verehren von Kriegsverbrechen ist eine quasi geistige Entwürdigung der Opfer von damals und diese steht der der körperlichen in keiner Weise nach.

Es gibt also viel zu tun in der Edelweiß-Kaserne und in der gesamten Bundeswehr.

Hoffentlich packt es jemand an.

Thomas Häntsch

Quellen-URL: http://hpd.de/node/8811

Verweise:
[1] http://www.gebirgsjager.de/htm/ww38.htm
[2] http://www.welt.de/politik/deutschland/article5007172/Bundesgerichtshof-rollt-Coesfeld-Prozess-neu-auf.html
[3] http://www.jungdemokraten.de/archiv/blatt/bl-01-98/bjugof05.htm
[4] http://home.snafu.de/veith/rituale.htm
[5] http://de.rian.ru/russia/20100210/125062741.html
[6] http://www.wdr.de/radio/wdr2/mima/546966.phtml
[7] http://politik-gesellschaft-deutschland.suite101.de/article.cfm/die_deutschen_gebirgsjaeger
[8] http://www.dw-world.de/dw/article/0,,5234070,00.html
[9] http://daserste.ndr.de/panorama/archiv/2003/erste8216.html
[10] http://tobiaspflueger.twoday.net/stories/672876/

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by: Administrator http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/02/11/mahlzeit-mittenwald/#comment-235 Fri, 12 Feb 2010 12:30:25 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/02/11/mahlzeit-mittenwald/#comment-235 Rohe Schweineleber und Alkohol bis zum Erbrechen Seltsam…erst letzte Woche habe ich auf das wunderbare Pol(i)t-Satire-Stück “1705″ aufmerksam gemacht – und als hätte ich es geahnt, machen die Gebirgsschützen des beschaulichen Örtchens Mittenwald mal wieder auf sich aufmerksam: Bundeswehr-Rekruten mussten sich offenbar “entwürdigenden Ritualen” unterziehen. Ein ehemaliger Soldat erhebt schwere Vorwürfe gegen seine Kameraden und reichte Beschwerde beim Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe, ein. Rekruten mussten demnach bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufzusteigen. Dem Brief zufolge existiert bei den Gebirgsjägern des Bataillons 233 unter den Mannschaftsdienstgraden schon seit den achtziger Jahren eine interne Hierarchie, genannt “der Hochzugkult”. In diesem sei man zunächst drei Monate “Fux” und müsse für die “Cheflage” spülen und putzen. Aufsteigen könne man nur, wenn man verschiedene Aufnahmerituale bestehe. So musste sich der Soldat, der die Beschwerde einreichte, im Sommer 2009 zwei Tage lang außerhalb der Dienstzeit anstrengenden Prüfungen stellen und dabei große Mengen Alkohol trinken. Dabei würden Soldaten auch gezwungen, rohe Schweineleber und Rollmöpse mit Frischhefe zu essen. Die Frischhefe bewirke, dass sich die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit heftig übergeben mussten. Auch seien Soldaten gezwungen worden, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden. Robbe berichtete dem Verteidigungsausschuss des Bundestags in einem Brief und sprach von Aufgaben, die zum Teil “als erniedrigend und herabwürdigend” anzusehen seien. Dem Radiosender NDR Info sagte der Wehrbeauftragte, er befürchte, dass es seit Jahrzehnten zu solchen Vorfällen gekommen sei. Es handele sich offensichtlich um einen Fall von größerer Dimension. Ob Vorgesetzte involviert waren, sei aber noch unklar. Die Bundeswehr habe die Vernehmung der möglichen Beteiligten noch nicht abgeschlossen. Nach bisherigen Ermittlungen ereigneten sich die Vorfälle nicht während der Dienstzeit und außerhalb der Kaserne. (SPIEGEL Online) Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft – und unser “werter” Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, selbst ein ehemaliger Gebirgsschütze, meldet sich auch prompt zu Wort: “Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen.” – so Guttenberg im ZDF. Der Skandal ist groß – und keiner will etwas von diesen Ritualen gewußt haben. Wer´s glaubt, wird selig… Dabei dürfte der Hang der Mittenwalder Gebirgsjäger zur “Traditionspflege” bereits längst bekannt sein: Jedes Jahr richtet der „Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V.“ Gedenkfeierlichkeiten für gefallene Soldaten an einem eigens dafür errichteten Ehrenmal auf dem Hohen Brendten aus. Die so genannte Brendtenfeier gilt auch als Deutschlands größte Soldatenfeier. Allerdings finden seit 2002 auch zeitgleich Gegenveranstaltungen der “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) sowie zahlreicher anderer, überwiegend linker, Gruppierungen statt. Die Gegner dieser Veranstaltung werfen dem Kameradenkreis vor, die im Zweiten Weltkrieg verübten Verbrechen (an italienischen Soldaten und Zivilisten) gänzlich auszublenden, sie zu leugnen oder sogar gut zu heißen. Viele dieser Kriegsverbrecher finden sich alljährlich zur Brendtenfeier ein – und nicht selten werden die Gegendemonstranten dieser Veranstaltung von den mittlerweile stark ergrauten Gebirgsjäger-Veteranen beschimpft und bedroht. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass ein etwas älterer, ehemaliger Soldat seinen Gehstock erbost in die Höhe schwingt. Freilich lässt sich hier nun einwerfen, dass die Gräueltaten der Großväter-Generation nichts mit dem nun zu verhandelnden “Hochzugkult” heutiger bajuwarischer Soldaten zu tun haben – dennoch drängt sich mir der Gedanke auf, dass die nun in der Presse diskutierten mittenwäldschen Gebirgsjägertraditionen keineswegs als eine soldatische (oder gar nur bajuwarische) Ritual-Ausnahmeerscheinung angesehen werden dürfen. Außerdem: Nach oben kriechen und nach unten treten – das lernt man halt auch bei der Bundeswehr. Und leider nicht nur da. Eigentlich immer dort, wo Menschen Macht auf andere ausüben können. Und das wird dann als Kult bezeichnet – im schlimmsten Falle sogar als Kultur. Ein Unrechtsbewußtsein scheint bei einigen Wehrpflichtigen da schon aus “traditioneller Verantwortung” heraus gänzlich abhanden gekommen. Und wer ein “richtiger Mann” sein will, der muß hat auch was aushalten können, nicht wahr? Rohe Schweineleber und Alkohol bis zum Erbrechen

Seltsam…erst letzte Woche habe ich auf das wunderbare Pol(i)t-Satire-Stück “1705″ aufmerksam gemacht – und als hätte ich es geahnt, machen die Gebirgsschützen des beschaulichen Örtchens Mittenwald mal wieder auf sich aufmerksam:

Bundeswehr-Rekruten mussten sich offenbar “entwürdigenden Ritualen” unterziehen. Ein ehemaliger Soldat erhebt schwere Vorwürfe gegen seine Kameraden und reichte Beschwerde beim Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe, ein.

Rekruten mussten demnach bis zum Erbrechen Alkohol trinken und rohe Schweineleber essen, um in einer internen Hierarchie aufzusteigen. Dem Brief zufolge existiert bei den Gebirgsjägern des Bataillons 233 unter den Mannschaftsdienstgraden schon seit den achtziger Jahren eine interne Hierarchie, genannt “der Hochzugkult”. In diesem sei man zunächst drei Monate “Fux” und müsse für die “Cheflage” spülen und putzen.

Aufsteigen könne man nur, wenn man verschiedene Aufnahmerituale bestehe. So musste sich der Soldat, der die Beschwerde einreichte, im Sommer 2009 zwei Tage lang außerhalb der Dienstzeit anstrengenden Prüfungen stellen und dabei große Mengen Alkohol trinken. Dabei würden Soldaten auch gezwungen, rohe Schweineleber und Rollmöpse mit Frischhefe zu essen. Die Frischhefe bewirke, dass sich die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit heftig übergeben mussten. Auch seien Soldaten gezwungen worden, sich vor Kletterübungen vor den versammelten Kameraden zu entkleiden.

Robbe berichtete dem Verteidigungsausschuss des Bundestags in einem Brief und sprach von Aufgaben, die zum Teil “als erniedrigend und herabwürdigend” anzusehen seien. Dem Radiosender NDR Info sagte der Wehrbeauftragte, er befürchte, dass es seit Jahrzehnten zu solchen Vorfällen gekommen sei. Es handele sich offensichtlich um einen Fall von größerer Dimension. Ob Vorgesetzte involviert waren, sei aber noch unklar. Die Bundeswehr habe die Vernehmung der möglichen Beteiligten noch nicht abgeschlossen. Nach bisherigen Ermittlungen ereigneten sich die Vorfälle nicht während der Dienstzeit und außerhalb der Kaserne.

(SPIEGEL Online)

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft – und unser “werter” Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, selbst ein ehemaliger Gebirgsschütze, meldet sich auch prompt zu Wort:

“Aufklären, abstellen und Konsequenzen ziehen.” – so Guttenberg im ZDF.

Der Skandal ist groß – und keiner will etwas von diesen Ritualen gewußt haben.

Wer´s glaubt, wird selig…

Dabei dürfte der Hang der Mittenwalder Gebirgsjäger zur “Traditionspflege” bereits längst bekannt sein:

Jedes Jahr richtet der „Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V.“ Gedenkfeierlichkeiten für gefallene Soldaten an einem eigens dafür errichteten Ehrenmal auf dem Hohen Brendten aus. Die so genannte Brendtenfeier gilt auch als Deutschlands größte Soldatenfeier. Allerdings finden seit 2002 auch zeitgleich Gegenveranstaltungen der “Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) sowie zahlreicher anderer, überwiegend linker, Gruppierungen statt. Die Gegner dieser Veranstaltung werfen dem Kameradenkreis vor, die im Zweiten Weltkrieg verübten Verbrechen (an italienischen Soldaten und Zivilisten) gänzlich auszublenden, sie zu leugnen oder sogar gut zu heißen.

Viele dieser Kriegsverbrecher finden sich alljährlich zur Brendtenfeier ein – und nicht selten werden die Gegendemonstranten dieser Veranstaltung von den mittlerweile stark ergrauten Gebirgsjäger-Veteranen beschimpft und bedroht. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass ein etwas älterer, ehemaliger Soldat seinen Gehstock erbost in die Höhe schwingt.

Freilich lässt sich hier nun einwerfen, dass die Gräueltaten der Großväter-Generation nichts mit dem nun zu verhandelnden “Hochzugkult” heutiger bajuwarischer Soldaten zu tun haben – dennoch drängt sich mir der Gedanke auf, dass die nun in der Presse diskutierten mittenwäldschen Gebirgsjägertraditionen keineswegs als eine soldatische (oder gar nur bajuwarische) Ritual-Ausnahmeerscheinung angesehen werden dürfen. Außerdem: Nach oben kriechen und nach unten treten – das lernt man halt auch bei der Bundeswehr. Und leider nicht nur da. Eigentlich immer dort, wo Menschen Macht auf andere ausüben können. Und das wird dann als Kult bezeichnet – im schlimmsten Falle sogar als Kultur. Ein Unrechtsbewußtsein scheint bei einigen Wehrpflichtigen da schon aus “traditioneller Verantwortung” heraus gänzlich abhanden gekommen. Und wer ein “richtiger Mann” sein will, der muß hat auch was aushalten können, nicht wahr?

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by: Administrator http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/01/13/gewerkschaftsmacht-in-der-krise/#comment-192 Wed, 13 Jan 2010 21:06:01 +0000 http://MinaKnallenfalls.blogsport.de/2010/01/13/gewerkschaftsmacht-in-der-krise/#comment-192 Zehn Jahre nach Seattle: Rückzug in sichere Häfen Franco Berardi in Luxemburg Im November 1999 begann eine politische-ethische Rebellion: der Protest unterschiedlicher Gruppen aus aller Welt gegen die Folgen kapitalistischer Globalisierung, sozialer und ökologischer Zerstörung kristallisierte sich an diesem Ort des WTO-Gipfels. In den folgenden zwei Jahren entwickelte eine globale Bewegung eine effektive Kritik neoliberaler Politiken und machte Hoffnung auf einen radikalen Wandel. Dann, nach dem G8-Gipfel in Genua, bricht die Erzählung um - Krieg rückte in den Vordergrund. Die Bewegung lies nach, ihre Wirkung reduzierte sich nahezu auf Null. Sie verfehlte es, in den Alltag der Weltgesellschaft auszustrahlen. Sie verfehlte es, einen Prozess der alltäglichen Selbstorganisation der techno-wissenschaftlichen Arbeiter in Gang zu setzen. Zehn Jahre nach Seattle müssen wir eine neue Strategie der Bewegung entwickeln. Neoliberale Politik hat die Idee des Öffentlichen zerstört. Sie hat Produktion, Kommunikation, Sprache und Affekte privatisiert und inwertgesetzt. Konkurrenz hat den Platz der Solidarität eingenommen. Die vorherrschende Form ökonomischer Beziehungen ist kriminell geworden. Krieg begleitet diese kriminelle Mutation der kapitalistischen Produktionsweise. Eine systematische Verwahrlosung der physischen und psychischen Umwelt ist logische Folge dieser Mutation. Die Wahl von Barack Obama öffnete ein Fenster von Möglichkeiten. Doch die gegenwärtige Situation ist unübersehbar paradox. Die USA hat ihre militärische Vorherrschaft verloren, weil religiöser Fanatismus, Fundamentalismus, Nationalismus und Terror in weiten Teilen der Welt befördert wurden. Definitiv verliert die westliche Hegemonie an Grund. Die Finanzkrise bringt darüber hinaus den Zusammenbruch der finanziellen US-Vorherrschaft mit sich und führt zur Ausbreitung der Krise, produziert Unruhe und Misstrauen auch in den westlichen Gesellschaften. Zu Zeiten der Präsidentschaft Bill Clintons war es möglich (wenn auch nie überzeugend) von einem amerikanischen Empire zu sprechen. Mit George W. Bush's Staatsstreich innerhalb des Empires beginnt die Zeit des ‘permanenten' Krieges. Sofern dies zutreffen sollte, hat der Staatsstreich seine Ziele erreicht. Bush und seine kriegerische Meute haben zwar ihre Kriege verloren (der Irak-Krieg ist ein vollständiger Mißerfolg, Afghanistan eine nicht endende Niederlage und der ‘Krieg' gegen den Iran nicht zu gewinnen). Dennoch gewannen sie ihren Krieg zur Aneignung von Ölprofiten, ihren Krieg gegen den Frieden und Menschheit. Nun, da das Weiße Haus von einem Präsidenten mit genuine demokratischerer Kultur bewohnt wird, fällt das amerikanische Empire auseinander. Chaos ist der einzige Herrscher der Welt. Was kann in einer solchen Situation getan werden? Es ist keine Hoffnung in Sicht, da die kriminelle Wende des Kapitalismus unumkehrbare Effekte in der Kultur und dem Verhalten der planetarischen Gesellschaft hervorgebracht hat. Ein Drittel der Menschheit ist vom Tode bedroht: Hunger verbreitet sich wie nie zuvor. Die Energiekrise füttert Aggressionen und Inflation. Ein Drittel der Menschheit arbeitet zu Bedingungen, die Sklaverei nahe kommen oder sind gezwungen Prekarisierung und Ausbeutung hinzunehmen. Ein Drittel der Menschheit ist bis an die Zähne bewaffnet, um seinen Lebensstandard gegen ein Heer von Migranten zu verteidigen. Wir sollten uns auf eine lange Phase der Barbarisierung und der Gewalt vorbereiten. Wir sollten einige sichere Häfen für eine kleine Minderheit der Weltbevölkerung schaffen, die das Erbe einer humanistischen Zivilisation und der Potenzen des General Intellect bewahrt, welche in ernsthafter Gefahr sind. Das bevorstehende Zeitalter ist durchaus zu vergleichen mit dem sog. europäischen Mittelalter. Während Invasoren durch das Land streiften und die Spuren antiker Zivilisationen zerstört wurden, retteten Gruppen von Mönchen die Erinnerung an die Vergangenheit und die Samen einer möglichen Zukunft. Wir können nicht wissen, ob das anstehende Zeitalter der Barberei Jahrzehnte oder Jahrhunderte währen wird. Noch können wir sagen, ob unsere physische Umwelt die Verwüstungen des kriminellen Kapitalismus überleben wird. Aber wir wissen sicher, wir haben nicht die Waffen den Zerstörern entgegenzutreten. So müssen wir uns selbst und die Möglichkeit einer Zukunft retten. Eine Strategie reicht nicht aus, wenn die Dinge so unvorhersehbar sind wie gegenwärtig. Wir kennen weder die Konsequenzen des Niedergangs amerikanischer Vorherrschaft, noch die Entwicklung und Folgen der Kriege von Pakistan bis Gaza. Wir haben keine Vorstellung von den Folgen der ethnischen Bürgerkriege niedriger Intensität, noch welche Explosionen den krisenbedingten Verwüstungen der politischen Ökonomie der Arbeiter nachfolgen. Wir sehen einer langen Periode mönchhaften Rückzugs entgegen und müssen zugleich mit der Möglichkeit einer plötzlichen Verschiebung der globalen politischen Landschaft rechnen. Stellen wir uns etwa die Revolte chinesischer Arbeiter gegen den national-kommunistischen Staatskapitalismus vor, die Unfähigkeit des US-Militärs einer neuen Welle des Terrors entgegenzutreten, den Kollaps von Ökosystemen in wesentlichen Teilen der Welt - Szenarios, die absolut realistisch sind. Solche Ereignisse könnten dramatische Veränderungen der politischen Haltungen einer Mehrheit der Weltbevölkerung nach sich ziehen. Auch darauf müssen wir vorbereitet sein, bereit eine solche Wendung zu erklären und aufzugreifen. Und wir sollten lebensbejahende Beispiele einer anderen Lebensweise entwickeln, die nicht auf Konsumismus, Wachstum und Konkurrenz basiert. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Redefinition der Verständnisses von ‘gutem Leben', Wohlstand und Glück. Unsere Aufgabe wird sein, Klöster zu errichten, in denen bescheiden, genügsames Wohlergehen gelebt und erprobt wird - eine gelebte Kritik der Naturalisierung der Wachstumsnotwendigkeit. Wir sollten Schritte einer kulturellen Produktion eines neuen Paradigmas gehen, weg vom obsessiven Wachstum, hin zu Genügsamkeit, kultur-intensiver Produktion, Solidarität, der Wertschätzung von Faulheit und Zurückweisung von Konkurrenz. Der Kapitalismus setzt gutes Leben mit Akkumulation gleich, Glück mit Konsumismus und Reichtum mit der Zerstörung von Natur. Wir hingegen sollten Lebensweisen vorleben, in denen gutes Leben Genügsamkeit bedeutet, Glück Großzügigkeit heißt und Reichtum den Genuss von Zeit einschließt. Der Beitrag erschien in Luxemburg 2/2009 und ist Teil der dort erschienenen Debatte zu den Globalen Sozialen Bewegungen http://www.zeitschrift-luxemburg.de/?page_id=293 12.01.2010 Zehn Jahre nach Seattle: Rückzug in sichere Häfen
Franco Berardi in Luxemburg
Im November 1999 begann eine politische-ethische Rebellion: der Protest unterschiedlicher Gruppen aus aller Welt gegen die Folgen kapitalistischer Globalisierung, sozialer und ökologischer Zerstörung kristallisierte sich an diesem Ort des WTO-Gipfels. In den folgenden zwei Jahren entwickelte eine globale Bewegung eine effektive Kritik neoliberaler Politiken und machte Hoffnung auf einen radikalen Wandel. Dann, nach dem G8-Gipfel in Genua, bricht die Erzählung um – Krieg rückte in den Vordergrund. Die Bewegung lies nach, ihre Wirkung reduzierte sich nahezu auf Null. Sie verfehlte es, in den Alltag der Weltgesellschaft auszustrahlen. Sie verfehlte es, einen Prozess der alltäglichen Selbstorganisation der techno-wissenschaftlichen Arbeiter in Gang zu setzen.

Zehn Jahre nach Seattle müssen wir eine neue Strategie der Bewegung entwickeln. Neoliberale Politik hat die Idee des Öffentlichen zerstört. Sie hat Produktion, Kommunikation, Sprache und Affekte privatisiert und inwertgesetzt. Konkurrenz hat den Platz der Solidarität eingenommen. Die vorherrschende Form ökonomischer Beziehungen ist kriminell geworden. Krieg begleitet diese kriminelle Mutation der kapitalistischen Produktionsweise. Eine systematische Verwahrlosung der physischen und psychischen Umwelt ist logische Folge dieser Mutation.

Die Wahl von Barack Obama öffnete ein Fenster von Möglichkeiten. Doch die gegenwärtige Situation ist unübersehbar paradox. Die USA hat ihre militärische Vorherrschaft verloren, weil religiöser Fanatismus, Fundamentalismus, Nationalismus und Terror in weiten Teilen der Welt befördert wurden. Definitiv verliert die westliche Hegemonie an Grund. Die Finanzkrise bringt darüber hinaus den Zusammenbruch der finanziellen US-Vorherrschaft mit sich und führt zur Ausbreitung der Krise, produziert Unruhe und Misstrauen auch in den westlichen Gesellschaften.

Zu Zeiten der Präsidentschaft Bill Clintons war es möglich (wenn auch nie überzeugend) von einem amerikanischen Empire zu sprechen. Mit George W. Bush’s Staatsstreich innerhalb des Empires beginnt die Zeit des ‘permanenten‘ Krieges. Sofern dies zutreffen sollte, hat der Staatsstreich seine Ziele erreicht. Bush und seine kriegerische Meute haben zwar ihre Kriege verloren (der Irak-Krieg ist ein vollständiger Mißerfolg, Afghanistan eine nicht endende Niederlage und der ‘Krieg‘ gegen den Iran nicht zu gewinnen). Dennoch gewannen sie ihren Krieg zur Aneignung von Ölprofiten, ihren Krieg gegen den Frieden und Menschheit. Nun, da das Weiße Haus von einem Präsidenten mit genuine demokratischerer Kultur bewohnt wird, fällt das amerikanische Empire auseinander. Chaos ist der einzige Herrscher der Welt.

Was kann in einer solchen Situation getan werden? Es ist keine Hoffnung in Sicht, da die kriminelle Wende des Kapitalismus unumkehrbare Effekte in der Kultur und dem Verhalten der planetarischen Gesellschaft hervorgebracht hat. Ein Drittel der Menschheit ist vom Tode bedroht: Hunger verbreitet sich wie nie zuvor. Die Energiekrise füttert Aggressionen und Inflation. Ein Drittel der Menschheit arbeitet zu Bedingungen, die Sklaverei nahe kommen oder sind gezwungen Prekarisierung und Ausbeutung hinzunehmen. Ein Drittel der Menschheit ist bis an die Zähne bewaffnet, um seinen Lebensstandard gegen ein Heer von Migranten zu verteidigen. Wir sollten uns auf eine lange Phase der Barbarisierung und der Gewalt vorbereiten.

Wir sollten einige sichere Häfen für eine kleine Minderheit der Weltbevölkerung schaffen, die das Erbe einer humanistischen Zivilisation und der Potenzen des General Intellect bewahrt, welche in ernsthafter Gefahr sind. Das bevorstehende Zeitalter ist durchaus zu vergleichen mit dem sog. europäischen Mittelalter. Während Invasoren durch das Land streiften und die Spuren antiker Zivilisationen zerstört wurden, retteten Gruppen von Mönchen die Erinnerung an die Vergangenheit und die Samen einer möglichen Zukunft.

Wir können nicht wissen, ob das anstehende Zeitalter der Barberei Jahrzehnte oder Jahrhunderte währen wird. Noch können wir sagen, ob unsere physische Umwelt die Verwüstungen des kriminellen Kapitalismus überleben wird. Aber wir wissen sicher, wir haben nicht die Waffen den Zerstörern entgegenzutreten. So müssen wir uns selbst und die Möglichkeit einer Zukunft retten. Eine Strategie reicht nicht aus, wenn die Dinge so unvorhersehbar sind wie gegenwärtig. Wir kennen weder die Konsequenzen des Niedergangs amerikanischer Vorherrschaft, noch die Entwicklung und Folgen der Kriege von Pakistan bis Gaza. Wir haben keine Vorstellung von den Folgen der ethnischen Bürgerkriege niedriger Intensität, noch welche Explosionen den krisenbedingten Verwüstungen der politischen Ökonomie der Arbeiter nachfolgen.

Wir sehen einer langen Periode mönchhaften Rückzugs entgegen und müssen zugleich mit der Möglichkeit einer plötzlichen Verschiebung der globalen politischen Landschaft rechnen. Stellen wir uns etwa die Revolte chinesischer Arbeiter gegen den national-kommunistischen Staatskapitalismus vor, die Unfähigkeit des US-Militärs einer neuen Welle des Terrors entgegenzutreten, den Kollaps von Ökosystemen in wesentlichen Teilen der Welt – Szenarios, die absolut realistisch sind. Solche Ereignisse könnten dramatische Veränderungen der politischen Haltungen einer Mehrheit der Weltbevölkerung nach sich ziehen. Auch darauf müssen wir vorbereitet sein, bereit eine solche Wendung zu erklären und aufzugreifen. Und wir sollten lebensbejahende Beispiele einer anderen Lebensweise entwickeln, die nicht auf Konsumismus, Wachstum und Konkurrenz basiert. Eine der wichtigsten Aufgaben ist die Redefinition der Verständnisses von ‘gutem Leben‘, Wohlstand und Glück.

Unsere Aufgabe wird sein, Klöster zu errichten, in denen bescheiden, genügsames Wohlergehen gelebt und erprobt wird – eine gelebte Kritik der Naturalisierung der Wachstumsnotwendigkeit. Wir sollten Schritte einer kulturellen Produktion eines neuen Paradigmas gehen, weg vom obsessiven Wachstum, hin zu Genügsamkeit, kultur-intensiver Produktion, Solidarität, der Wertschätzung von Faulheit und Zurückweisung von Konkurrenz. Der Kapitalismus setzt gutes Leben mit Akkumulation gleich, Glück mit Konsumismus und Reichtum mit der Zerstörung von Natur. Wir hingegen sollten Lebensweisen vorleben, in denen gutes Leben Genügsamkeit bedeutet, Glück Großzügigkeit heißt und Reichtum den Genuss von Zeit einschließt.

Der Beitrag erschien in Luxemburg 2/2009 und ist Teil der dort erschienenen Debatte zu den Globalen Sozialen Bewegungen http://www.zeitschrift-luxemburg.de/?page_id=293
12.01.2010

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