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Stadtrundgang 2005 Befreiungstag

6. April 2005 Befreiung von Wuppertal
Autonome AntifaschistInnen aus Wuppertal 17.04.2005 22:15 Themen: Antifa
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16. April Befreiung in Wuppertal
Bericht von antifaschistischen Gedenk- und Stadtrundgang

„Wir wurden am 16. April in der Fabrik erobert, wie wir uns über die
Befreiung gefreut haben, das können Sie sich nicht vorstellen. Alle
Franzosen, Italiener, Ukrainer, Russen, alle küssten sich, umarmten sich,
weil wir frei waren. Dann brachten uns die Amerikaner in allgemeine Kasernen, sie begannen uns aufzupäppeln, sie verteilten uns auf Dörfer, um uns leichter abzufüttern,
dann schickten sie uns in die Heimat.“
16. April Befreiung in Wuppertal Bericht von antifaschistischen Gedenk- und Stadtrundgang

„Wir wurden am 16. April in der Fabrik erobert, wie wir uns über die
Befreiung gefreut haben, das können Sie sich nicht vorstellen. Alle
Franzosen, Italiener, Ukrainer, Russen, alle küssten sich, umarmten sich,
weil wir frei waren. Dann brachten uns die Amerikaner in allgemeine Kasernen, sie begannen uns aufzupäppeln, sie verteilten uns auf Dörfer, um uns leichter abzufüttern,
dann schickten sie uns in die Heimat.“

Ca. 100 Menschen folgten dem Aufruf, an diesem historischen Tag eine Gedenkveranstaltung für Wuppertal durchzuführen. Am 16. April 1945 befreiten Soldaten der 78. und 8. Infantry-Division der US-Army Wuppertal. Kurz nach der Befreiung strömten Sowjetische
Kriegsgefangene und ZwangsarbeiterInnen aller Nationen aus den Fabriken und Lagern in die Innenstädte, feierten ihre Befreiung und eigneten sich in den Kaufhäusern und Lebensmittelgeschäften Waren an. Höhepunkt der Feiern war sicherlich die Besetzung des Wuppertaler Polizeipräsidiums durch die ZwangsarbeiterInnen. Spontan besetzten sie die Büros der Gestapo und warfen Akten aus den Fenstern.

Das offizielle Wuppertal hat sich für den Wuppertaler liberation-Day leider nicht interessiert.
Start war am Döppersberg mit einem Umsonst-Frühstück und einem Sekt-Empfang auf der „Platte“ am Döppersberg.
Nach einleitenden Worten sprach der 79 jährige amerikanische Soldat Dudley Strassburg zu uns. Mit seinem beeindruckenden Beitrag wurde die Hoffnung der überlebenden KZ-Häftlinge im Buchenwald-Schwur „Nie wieder Faschismus – nie wieder Krieg. Für den Aufbau einer neuen Welt“, sehr lebendig. Strassburg, Soldat der 94th Infantry Division, U.S. 3rd Army, kämpfte in der Kompanie, die im Februar 1945 als erste Einheit unter schrecklichen Verlusten die sogen. „Siegfried-Linie“ an der Saar überschreiten konnte. Seine Einheit befreite schließlich Solingen und sorgte für den Rücktransport der ZwangsarbeiterInnen in die Heimat. Mit Hilfe des kommunistischen Widerstandskämpfers Karl Bennert fand Strassburg das Massengrab der 71 Gefangenen in der Wenzelnbergschlucht. Diese Menschen, soziale und politische Gefangene aus dem Zuchthaus Lüttringhausen und russische Zwangsarbeiter wurden drei Tage vor der Befreiung von der Wuppertaler Gestapo und Ordnungspolizei per Genickschuss ermordet. Strassburg sorgte dafür, dass Solinger Nazis unter vorgehaltener MP die Exhumierung der ermordeten Gefangenen vornahmen.
Strassburg sprach sehr bewegend von der Notwendigkeit der militärischen Zerschlagung von Nazideutschland und gleichzeitig in der tiefen Überzeugung und – wie er selber sagte- mit der naiven Hoffnung, dass nach dem Zweiten Weltkrieg angesichts des schrecklichen Leidens, der Zerstörung und der 55 Millionen Toten, Kriege nicht mehr geführt werden.
Und er erinnerte daran, dass seit dem Zweiten Weltkrieg über 230 Kriege stattgefunden haben und dass zum jetzigen Zeitpunkt 20 bewaffnete Auseinandersetzungen laufen.

http://de.indymedia.org/2005/04/112076.shtml

Die weiteren eingeladenen Zeitzeugen, der anarchosyndikalistische Widerstandskämpfer Hans Schmitz und Marianne Hecht-Wieber, Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen, die Tochter des Widerstandskämpfers Emil Löhde, mussten leider aus Gesundheitsgründen absagen.
Besonders schmerzlich war für uns das Fehlen von Paul Michalowicz, unserem Genossen und Freund aus Hagen. Er starb im Alter von 79 Jahre am 7.April 2005. Paul wird uns sehr fehlen.

http://de.indymedia.org/2005/04/111308.shtml

2. Die zweite Station war das Wuppertaler Polizeipräsidium. Das Polizeipräsidium war für viele ZwangsarbeiterInnen und politische Gegner des Nationalsozialismus ein Ort
des Schreckens. Im Polizeipräsidium wurden zahllose Menschen festgehalten,
gedemütigt, gefoltert und totgeschlagen. Aus dem Polizeipräsidium wurden
noch kurz vor Kriegsende ZwangsarbeiterInnen und politische Gefangene zu den Hinrichtungsorten der Wuppertaler Gestapo geführt.
Auf den Stufen des Polizeipräsidiums haben wir den ermordeten WiderstandskämpferInnen und ZwangsarbeiterInnen gedacht und an die Verantwortung der Wuppertaler Gestapo für die Deportation der Wuppertaler Juden, für Folter und Hinrichtungen erinnert. Für die Wuppertaler NS-Opfer haben wir Blumen niedergelegt. Wir konnten anschließend die Zeitzeugin, die 90 jährige Edith Enz begrüßen, die wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und auf ihrer Hinrichtung im Polizeigefängnis wartete. Edith Enz wurde durch die amerikanischen Truppen befreit. Edith Enz war Zeugin für die Folterungen im Polizeipräsidium und hat die Ende Februar 1945 im Burgholz ermordeten sowjetischen ZwangsarbeiterInnen beim Abtransport zur Hinrichtung zum letzten Mal gesehen. In einem weiteren Beitrag ging es um das Wuppertaler Polizei-Bataillon, dass in Bialostok die jüdische Menschen in eine Synagoge einsperrte und die Synagoge in brand setzte. Die Mörder kamen nach dem Krieg zurück und kehrten zum Teil in den Wuppertaler Polizeidienst zurück, machten Karriere im Polizeiapparat und bildeten Bereitschaftsbullen aus usw.

3. Kundgebung beim NPD-Nazi Sascha Guderian. Er wagt es, zur Landtagswahl für die NPD zu kandidieren und hat auch schon mal ein Nazi-„Aufmärschchen“ in Wuppertal angemeldet. Der Nazi hat dem Wahlamt als Adresse Freiheitstrasse 36 angegeben. Leider war zu unserem Besuch auch schon die Polizeihundertschaft eingetroffen, die wegen aktiver Anti-Nazi Vermummung Stress machten, sodass es nur zur Flugblattverteilung und Redebeiträgen kam.

4. Inoffizielle Einweihung der Gedenkstätte „Wuppertaler Widerstand“ im ehemaligen Polizeigefängnis Bachstraße in Barmen.
Im jetzt leer stehenden Gebäude waren in der Nazizeit politische Gefangene und ZwangsarbeiterInnen eingesperrt. In der Bachstraße wurde geschlagen, gefoltert und gestorben. Im März 1945 starb hier Hedwig Igstaedter unter ungeklärten Umständen. Sie war Ehefrau des Widerstandskämpfers Karl Igstaedter, der zusammen mit sowjetischen ZwangsarbeiterInnen eine Widerstandsgruppe in Wuppertal-Wichlinghausen aufgebaut hatte. Die Gruppe, die sich im Zwangsarbeiterlager „Schützengilde“ und in der Wohnung der Igstaedters traf, gab einen eigenen Infodienst heraus und organisierte bewaffnete Überfälle auf Güterzüge, um illegal lebende Kameraden zu unterstützen. Bei einem versuchten Überfall auf den Bahnhof Wichlinghausen wurden bei einer Schiesserei Bahnbeamte und Zwangsarbeiter getötet. Bei anschließenden Razzien gelang es der Gestapo zahlreiche ZwangsarbeiterInnen festzunehmen. (Diese Festgenommenen wurden Ende Februar 1945 auf dem Polizeischiessstand im Burgholz ermordet.) In diesem Zusammenhang wurde auch die Verbindung zu Karl Igstaedter der Gestapo bekannt. Einer drohenden Verhaftung entzog sich Karl Igstaedter durch Selbstmord. Er wurde im Durchgangsweg zum Güterbahnhof erhängt aufgefunden. Hedwig Igstaedter wurde daraufhin festgenommen, in die Bachstraße verschleppt und einige Tage später tot in der Zelle gefunden.

Wir haben deswegen diese Gedenktafel am Gebäude angebracht und Blumen niedergelegt.

In Erinnerung an die Widerstandskämpfer Hedwig und Karl Igstaedter

Karl und Hedwig Igstaedter organisierten zusammen mit sowjetischen ZwangsarbeiterInnen den Überlebenskampf gegen die Faschisten in Wichlinghausen.
Karl wurde erhängt an der Schwarzbach aufgefunden,
Hedwig starb im Polizeigefängnis Bachstrasse.

Von der Gestapo gejagt
im März 1945 in den Tod getrieben

Nichts und niemand ist Vergessen!

Erinnerungsstätte Wuppertaler Widerstand – 60 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus

Wir fordern von der Stadt, dieses Gebäude nicht abzureißen, sondern in eine würdige Gedenkstätte für NS-Opfer und Widerstandsgruppen umzuwandeln. In Inneren des Gebäudes sind die Zellen des alten Gefängnisses noch gut zuerkennen. Wenn das kein Fall für die Untere Denkmalschutzbehörde ist, die wir umgehend benachrichtigen werden…

5. Ganz ohne Polizei gelang uns der Abschluss dieses Stadtrundganges. Schlusspunkt war der kollektive Besuch der einzigen öffentlich ausgestellten Skulptur des Nazi-Bildhauers Arno Brekers. Die Statue von Breker, von der Bevölkerung auch Brekers Kriegsgöttin genannt, steht (wieder) als Wahrzeichen des Wilhelm Dörpfeld Gymnasiums vor der Schule. Zu Beginn des Irak-Kriegs war sie noch vom Sockel gefallen.

www.az-wuppertal.de/aktuelles/aktuelles-lang.php?id=17

Nach kontroverser Debatte in der Schule entschied die Schulkonferenz mehrheitlich, die Skulptur von Hitlers Lieblingsbildhauers wiederaufzustellen. Man distanziere sich zwar von Brekers politischer Nähe zum Nationalsozialismus, dürfe aber keinesfalls „Bilderstürmern“ nachgeben.
Frecherweise wurde dieser Beschluss kurz vor dem Befreiungstag von Wuppertal klammheimlich und unter strengster Geheimhaltung umgesetzt. Die Kriegsgöttin steht seit einigen Tagen wieder auf dem Sockel.
www.wz-newsline.de/seschat4/200/sro.php?redid=80098

Aus diesem Grunde sahen wir uns gezwungen, Brekers Kriegsgöttin ganz nach der Christo –Methode mit einem Tuch zu verhüllen (Siehe die Fotos). Statt dieser „feingliedrigen Skulptur“ des Nazibildhauers, der sich bekanntlich auch nach der Befreiung vom Faschismus in Nazikreisen bewegte und dessen späte „Kunstwerke“ auch Verwendung und begeisterte Aufnahme in militaristischen Nazigedenkstätten wie auf dem Ulrichsberg in Kärnten fanden, haben wir an den Sockel eine Gedenktafel angebracht, die auf das Schicksal der jüdischen Mitschüler hinweist.

Wir erinnern an die jüdischen Mitschüler des WDG

Ausgegrenzt und vertrieben von den Nazis,
Nichts und niemand ist Vergessen 

Rudolf Ballheimer , geb. 27.9.1923, bis Oktober 1938 WDG, 1938 Flucht nach England

Stefan K.E. Bauer-Mengelberg, bis Nov. 1938 WDG, 1939 Emigration in die USA

Arnold Ostwald, geb. 30.11.1923, musste im Nov. 1938 das WDG verlassen, 1939 Jugendtransport nach England, Emigration 1940 USA

Wuppertal – 60 Jahre nach der Befreiung vom Faschismus.

Leider ist dieser Schule bei der Beschäftigung mit der eigenen Geschichte im 425 jährigen Jubiläumsjahr die Nazizeit entgangen. In der voluminösen Festschrift wird zwar das Schicksal von Brekers Kriegsgöttin beklagt, zum Schicksal der jüdischen SchülerInnen findet sich, bis auf die Bemerkung, das sie diskriminiert wurden und ausgewandert sind, nichts. Das kann jetzt nachgeholt werden. Die Auslandsauskunft kann sicherlich die nötigen Telefonnummern zur Kontaktaufnahme mit den jüdischen WDGlern ermöglichen. Wir freuen uns schon auf ein öffentliches Besuchsprogramm des WDG im 426 Jahr.

Nichts und Niemand ist vergessen!

Autonome AntifaschistInnen aus Wuppertal 16.April 2005 zum 60. Jahrestag der Befreiung

Weitere Hinweise zu Breker:

www.pds-wuppertal.de/html/ ratsgruppe/28_02_05_PallasAthene.pdf

www.museum-arno-breker.org

www.dhm.de/lemo/html/nazi/kunst/breker

www.jung-in-dinslaken.de/gegenrechts/arnobreker/hauptteil_arnobreker.html

www.welt.de/data/2004/07/08/302156.html

www2.uni-wuppertal.de/FB5-Hofaue/Brock/Schrifte/AGEU/Breker.html

Westdeutsche Zeitung 9.4.2005
Brekers Pallas Athene wieder am alten Platz

Vor gut zwei Jahren wurde die Skulptur vom Sockel gestürzt. Jetzt steht sie wieder am Eingang der Dörpfeld-Gymnasiums mit einer erklärenden Tafel.

Wuppertal. Es gab keine Ansprachen, keine Präsenz von Stadtseite, nur der Schulleiter schaute zu. Ganz unspektakulär wurde gestern die restaurierte „Athene“ wieder auf den Sockel am Eingangsbereich des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasiums am Johannisberg gehoben. „Wir stellen ja auch nur den Status quo wieder her“, kommentierte Direktor Karl-Wilhelm Weeber lakonisch.
Doch die Vorgeschichte ist lang und spricht für den sorgsamen Umgang der Schule mit einem schwierigen Thema. Denn die feingliedrige Bronzestatue stammt von dem Wuppertaler Bildhauer Arno Breker: Bis heute international anerkannter Künstler, im 3. Reich Vorzeige-Bildhauer der Nazis, der zahllose heroische Monumentalstatuen schuf.
Für den Neubau des WDG schuf Arno Breker 1957 die Skulptur der Göttin der Weisheit, der Wissenschaft und der Künste, die in nichts mehr an die Kolossalfiguren der braunen Jahre erinnerte. Eine politische oder ethische Diskussion fand nicht statt. Die Pallas Athene wurde zum Wahrzeichen der Schule, von den Schülern im besten Sinne als „ihre“ Athene vereinnahmt.
Der Beginn des Irak-Kriegs, die umstrittene Person Arno Breker und die Interpretation der mit Speer bewehrten Verteidigerin der Demokratie als Kriegsgöttin reichten im März 2003 Unbekannten als Motiv. Sie stürzten die Statue vom Sockel. Die beschädigte Athene verschwand daraufhin in einer Holzkiste auf dem Schulhof. Fast schien es, als sei die heikle Angelegenheit vergessen.
Doch in der Schule begann eine intensive Auseinandersetzung. Sollte die Athene wieder auf den Sockel gehoben werden? Die Statue eines Nazi-Künstlers? Sollte man andererseits den anonymen Bilderstürmern recht geben? Lehrer, Schüler und Ehemalige machten es sich nicht leicht. Nach Monaten aber kam die Schulkonferenz mit klarer Mehrheit zu dem Entschluss, die Statue möge im Zustand vom März 2003 wieder aufgestellt werden, ergänzt aber um eine Tafel, auf der Entstehungsgeschichte ebenso wie Distanzierung von der Rolle Brekers im NS-Staat nachzulesen sind.
Diesem Votum entzogen sich auch die Kommunalpolitiker, die sich bis dahin mit Äußerungen jeder Art zurückgehalten hatten, in der Mehrheit nicht. Ein Spender, der anonym bleiben möchte, übernimmt die sich auf etwa 3000 Euro belaufenden Kosten für Restaurierung und Aufstellung.
Gestern nach Schulschluss nun, gut zwei Jahre nach dem Sturz, hoben Restaurator Martin Möbus und sein Team die Göttin der Weisheit wieder auf den alten Platz. Die neue Tafel steht daneben. Schön, elegant blickt sie wieder denen entgegen, die das Schulgelände betreten.
Dort wird, so betont Schuldirektor Weeber, das Wirken Arno Brekers nun Unterrichtsthema werden. Kontroversen will man nicht ausweichen. So heißt es auf der Tafel, die Skulptur sei auch ein Zeitdokument. Eines, das öffentlich zum Nachdenken über das Verhältnis von Kunst, Moral und Politik auffordere.
09.04.05
Von Ulla Dahmen

Opfer des Krieges – Bildersturm in Wuppertal: Statue von Arno Breker umgestürzt
Saturday – 03.05.2003

Sueddeutsche Zeitung

Auf den ersten Blick sah alles aus wie eine der zahlreichen Aktionen, mit denen weltweit gegen den Irak-Krieg protestiert wurde.
Unbekannte hatten ein Seil um die Statue der griechischen Göttin geschlungen und die lebensgroße Figur der Pallas Athene vom Sockel gerissen – offenbar mit Hilfe eines Autos. Am Wuppertaler Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium hatte die griechische Schutzgöttin der Wissenschaften und Künste, der Städte und der Krieger 45 Jahre lang gestanden. „Weg mit Brekers Kriegsgöttin“ hatten die Bilderstürmer auf den Sockel der Statue gesprüht.

Proteste dagegen, dass ausgerechnet vor dem humanistischen Gymnasium eine Statue von Hitlers Lieblingsbildhauer Arno Breker (1900-1991) aufgestellt worden war, gab es in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder.
Abgesehen von Reliefs an Bank- und Versicherungsgebäuden war es dem im
heutigen Wuppertaler Stadtteil Elberfeld geborenen Breker an keinem anderen Ort in Deutschland gelungen, seine Kunst nach dem zweiten Weltkrieg im öffentlichen Raum zu platzieren. Noch 1981 lehnten Düsseldorf und Norderney die Aufstellung seines Heinrich-Heine-Denkmals unter Hinweis auf Brekers NS-Vergangenheit ab. Als vor wenigen Jahren die Wuppertaler Museumsdirektorin gar eine Breker-Ausstellung plante, verhinderte breiter
öffentlicher Protest das fragwürdige Projekt.

Wie kein zweiter Künstler seiner Zeit hatte Breker Hitler und sein Regime in überlebensgroßen heroischen Skulpturen verherrlicht und so vom Nationalsozialismus profitiert: Hitler schenkte ihm ein Landschloss, und in Brekers zahlreichen Ateliers wurden von dessen Assistenten Staatsaufträge
umgesetzt, die den gelernten Steinmetz zu einem der bestbezahlten Künstler der vierziger Jahre werden ließen. Klare Distanzierungen vom Nationalsozialismus vermisste man bei Breker nach dem Krieg, ähnlich wie bei Leni Riefenstahl. Millionär Breker wurde als „Mitläufer“ zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt. Die Porträtbüsten, die er in den Folgejahren unter anderem für die Industriellen Oetker, Quandt, Bayer und Girardet in Bronze
goss, brachten ihm jeweils 150000 Mark ein. Die Kunst brachten sie eben so wenig weiter wie Brekers handwerklich zwar perfekte, künstlerisch aber durch ihre platte Abschilderei vollkommen langweiligen und unwichtigen früheren Arbeiten.

Die Festgemeinde, die sich am 3. Mai 1957 zur Einweihung der Statue am Eingangstor der 1578 gegründeten Schule versammelt hatte, schien Brekers NS- Nähe nicht zu stören. Die glatte Unverbindlichkeit der Statue, die so gar nichts mehr mit Brekers zehn Jahre zuvor seriell entstandenen Rassekult- Skulpturen gemein hatte, passte in den opportunistischen
Zeitgeist jener Jahre, in denen die jüngste deutsche Geschichte kein Thema sein sollte. Über die politische Vergangenheit ihres Schöpfers, der lächelnd in der ersten Reihe saß, verlor Schulleiter Heyn kein Wort. Regelmäßige Protestaktionen vor allem aus der Schülerschaft gegen die Breker-Skulptur
vor dem Schultor führten auch in den vergangenen Jahrzehnten nie zu Konsequenzen.

Heute sieht Schulleiter Karl-Wilhelm Weeber das anders. Doch er fürchtet eine „Ideologisierung der Debatte“. Deshalb liegt die Athene-Skulptur nun gut verpackt in der halb offenen Pausenhalle der Schule, zu deren prominentesten Schülern einst Friedrich Engels gehörte. Was künftig mit ihr geschehen solle, ob es überhaupt eine öffentliche Debatte über Wiederaufstellung oder Einlagerung geben werde, so Weeber, wisse er noch nicht: „Der Meinungsbildungsprozess darüber, ob wir dieser Gewaltaktion folgen oder ob wir den ursprünglichen Status quo wieder herstellen, ist noch nicht abgeschlossen“. Viele Mitglieder der Schulgemeinde, sagt Weeber
später, sähen die Athene längst als Wahrzeichen der Schule an. Wie vorher kann es in Wuppertal jedoch nicht mehr werden: Schon seit vielen Jahren fehlte der griechischen Göttin der Schild, den sie einst in ihrer linken Hand hielt. Bei ihrem Sturz zerbrach nun auch noch der Speer in der rechten.

STEFAN KOLDEHOFF

Brekers Athene
Glosse
von Peter Dittmar
Es gilt als Gipfel des Banausentums, wenn Kunstwerke im öffentlichen Raum beschmiert, beschädigt, gestürzt werden. Selbst das „Marx-Engels-Denkmal“ in Berlin oder „Ernst Thälmann“ in Weimar darf deshalb mit Respekt und Pflege rechnen. Weil sie über Jahre am selben Platz stehen, wird ihnen eine eigene Geschichte zugesprochen.

Für eine Statue der Athene als Göttin der Wissenschaft, Weisheit und Künste gilt das allerdings alles nicht, obwohl sie seit 1957 auf ihren Sockel vor dem Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal stand. Im April 2003 haben sie Unbekannte als Protest gegen den Irakkrieg vom Sockel gestürzt. Und nachdem sie zuvor bereits ihren Schild verloren hatte, ging dabei nun noch ihr Speer in die Brüche. Seitdem ruhte sie in der Pausenhalle der Schule. Nicht um sie als Beweisstück für einen Prozess gegen die Bilderstürmer zu bewahren – die wurden nicht ermittelt. Auch nicht weil es an Geld fehlte, sie zu rehabilitieren (und zu restaurieren) oder ihr vollends den Garaus zu machen, sondern weil es an Entschlusskraft mangelte. Diese Athene stammt nämlich von Arno Breker (der unweit des Gymnasiums in Elberfeld geboren wurde).

Hitlers Lieblingsbildhauer, der von der Naziherrschaft zu profitierten verstand, wird nicht jener Kunstvorbehalt zugebilligt, der selbstverständlich für Lew Kerbel, E. Wutschetisch, Ludwig Engelhardt, Fritz Cremer usw. gilt, obwohl ihre Denkmäler den Glanz der Sonne kommunistischer Herrscher, die ihnen das Herz erwärmte, spiegeln.

Brekers Athene mangelt es an solcher Eindeutigkeit. Auf den Sockel hatte jemand gesprayt: „Weg mit Brekers Kriegsgöttin.“ Das Gymnasium, das den Namen des bedeutenden Ausgräbers griechischer Kultstätten trägt, vermochte anscheinend nicht, seinen Schülern Grundkenntnisse antiker Symbolik zu vermitteln. Aber wahrscheinlich ist das auch zuviel verlangt, wenn sogar ein veritabler Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München, Walter Grasskamp, gegen Brekers Athene ins Feld führt: „Diese Frau trägt einen Helm und einen Speer, damit geht man nicht in die Bibliothek.“

Der Grund der Erregung ist, dass diese Athene auf ihren Sockel zurückkehren soll – natürlich mit politisch korrekter belehrender Tafel-Zutat. Trotzdem wäre damit das Lehrstück, dass anonyme Gewalt gegen Kunst im öffentlichen Raum, wenn sie vom „richtigen Bewusstsein“ getragen wird, löblich sei, in Wuppertal gescheitert. Bleibt nur: Helm ab zum Lesen.

Artikel erschienen am 8. Juli 2004

Stadtrundgang 2005

Aktionstag zu Hartz IV, Ein-Euro-Jobs, …
Sankt Prekaria 05.12.2005 00:12 Themen: Soziale Kämpfe
Ein Bericht vom Wuppertaler Stadtrundgang zum Buß- und Bettag und Hartz IV
Aktionstag zu Hartz IV, Ein-Euro-Jobs und Ausbeutung

Ein Bericht vom Wuppertaler Stadtrundgang zum Buß- und Bettag und Hartz IV

Am Mittwoch, den 16.11.2005 fand in Wuppertal, passend zum Buß- und Bettag, eine Demonstration mit anschließendem Stadtrundgang anlässlich Hartz IV, Ein-Euro-Jobs und Ausbeutung von Beschäftigten statt.

Der Buß- und Bettag ist deshalb so passend, da er für (evgl.) Christen für die Besinnung und Neuorientierung jedes/jeder Einzelnen steht. Für die Frage in wie weit der Mensch selbst in die Unordnung dieser Welt verstrickt und an den Ungerechtigkeiten dieser Gesellschaft beteiligt ist.
Der diesjährige Buß- und Bettag stand daher im Zeichen von Ein-Euro-Jobs und Hartz Geschichten.

Gegen 17 Uhr ging es in der Innenstadt an der Mina Knallenfalls, einer Statue vor den City Arkaden, los. Als erstes wurde ein Pavillion aufgebaut und Essen und Glühwein an PassantInnen gereicht. Wenig später ging es dann mit Redebeiträgen zum Buß- und Bettag, zu Zwangsumzügen und anderen Hartz Schweinereien weiter. Die Redebeiträge selbst kamen von einem mobilen Mina-Pedant welches eigens hierfür gefertigt wurde, um den Repressalien des Staatschutzes wegen „Reden auf unangemeldeten Versammlungen“ zu entgehen. Der Staatsschutz selbst war auch in nicht zu übersehender Anzahl vor Ort. Die Kriminalisierung jeglicher politischer Aktionen scheint hier langsam ein Trend zu werden, dem wir aber nicht tatenlos zusehen werden.
Nach den Redebeiträgen ging es dann mit einer Demo weiter zum Rathhaus, vorneweg mit dem aufgebauten Pavillion. Dies zog alle Blicke auf die Demo und amüsierte sowohl DemonstrantInnen wie auch PassantInnen, vorallem als es wegen den Weihnachtsmarktbuden ab und an sehr eng wurde. Auf dem Weg wurde dann noch ein Zwischenstopp bei einem Buß- und Bettagsgottesdienst gemacht, allerdings wollte von dort keinE KirchgängerIn mitkommen. Am Rathhaus gab es dann noch einen Redebeitrag zu den Sozialschnüfflern, die in Wuppertal neuerdings den „unkooperativen“ ALG-II EmpfängerInnen hinterher spionieren. Kurz bevor sich die Demo dann auflöste musste noch eine Bullenwanne die Gelegenheit nutzen mit Kampfmontur und Knüppeln den Absprung aus dem Wagen zu üben, um uns dann darauf hinzuweisen doch einen Weg für Kinderwägen freizumachen.

Nachdem die Demo dann in alle Richtungen verstreut war, begann der Stadtrundgang, bei dem verschiedenste Ausbeuter besucht wurden. Der erste Besuch galt der Wal Mart Filiale. Dort gab es Herzen, sowohl als Lebkuchen, als auch Luftballons, für die MitarbeiterInnen und einen Redebeitrag bezüglich verschiedensten (Ausbeutungs-)Praktiken die das Unternehmen an den Tag legt. Recht schnell fingen die Securities allerdings an rumzustressen und die Polizei zu rufen. Als wenig später alle das Gebäude verlassen hatten traf diese auch ein und begann regelrechte Hetzjagden auf die SpaziergängerInnen zu machen, wobei einige Personalien festgestellt wurden und eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs angekündigt wurde. Das wegen eines Redebeitrages solche Maßnahmen ergriffen werden ist in Wuppertal neu.

Einige Zeit später ging es dann zur nächsten Station, einer Lidl-Filiale in der Innenstadt. Auch hier gab es einen Redebeitrag zu den schlechten Arbeitsbedingungen und Ausbeutungsverhältnissen, und den MitarbeiterInnen wurden Blumen geschenkt. Diesmal schien die Polizei allerdings vorgewarnt gewesen zu sein und postierte kurz vor der Aktion eine Zivi-Wanne auf der gegenüberliegenden Strassenseite und hatte gleichzeitig Leute vor Ort (im Laden). Nach der Aktion kam es dann zu ähnlichen Hetzjagden wie nach dem ersten Besuch.

Aufgrund der massiven Polizeipräsenz ging es von da an dann unauffälliger zu anderen ausgewählten Orten weiter, an denen noch kleinere Aktionen stattfanden.
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Skt. Prekaria 05.12.2005 – 00:53
Gemeindebrief

Evangelische Gemeinde

St. Prekaria zu Wuppertal

Mina-knallenfalls@web.de

http://www.sanktprekarius.tk

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Schwerpunktthema: Buß- und Bettag 2005

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Ein Euro Jobs und evangelische Kirche?

Warum sind wir evangelischen Christen so gierig nach billiger Arbeitskraft?

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Buß- und Bettag in Wuppertal

16.November 2005

Treffpunkt zum Bußgang 17:00 an der Mina Knallenfalls Wuppertal Elberfeld /
Schwebebahn

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1 Euro Jobs abschaffen- Verfolgungsbetreung sabotieren!

Keine Zwangsumzüge! Weg mit Hartz IV!!!

Der Buß- und Bettag ist für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und
Neuorientierung im Leben. Der Gedenktag dient dem Nachdenken über
individuelle und gesellschaftliche Irrtümer wie beispielsweise Ausländerhass,
Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen.

Der Buß- und Bettag ist aus aktuellem Anlass 2005 der Problematik der Ein
Euro Jobs gewidmet. Wir wollen beten, dass all die evangelischen
Einrichtungen, die sich da so frech und maßlos am Unglück und Elend der
Erwerbslosen bereichern, umkehren. Wir rufen die Verantwortlichen von Hartz
IV in Wuppertal! Kehret um in eure sozialdemokratisch-grüne Vergangenheit,
als ihre lange Haare hattet, nackt durch die Mensa demonstriertet (einem
nackten Studenten kann man nicht in die Kasse greifen) und schlechtes
Kabarett spieltet, als ihr noch gegen Volkszähler und Volkszählung wart.
Tuet Busse, da ihr die Menschen drangsaliert habt, da ihr sie aus den
Wohnungen jaget wollt, da ihr sie mit eurem Prüfdienst aus dem Hartz IV Bezug
treiben wollt.

Betet für euren Scheinheiligen Clement, der jetzt in der Hölle schmort, weil
er so widerlich mit Nazisprache Erwerbslose beleidigt hat!

Wir wissen um eure Zweifel, eure Ängste. Für viele Menschen scheint vor der
Zukunft ein großes Minus-Zeichen zu stehen. Wer schafft die Wende? Woher
kommen die Impulse für die Gestaltung einer besseren Zukunft? Und ist die
Lage wirklich so hoffnungslos?

Schon seit der Reformation ist der Buß- und Bettag ein Feiertag an dem wir
Christen zur Selbstbesinnung aufrufen und auf gesellschaftliche Missstände
hinweisen. Wir fordern jede Einzelne/jeden Einzelnen auf sich in
gesellschaftliche und politische Diskussionen und Entwicklungen aktiv
einzubringen, durchaus auch einzumischen.

Buße versteht Mensch im Protestantismus als Umkehr und Sinnesänderung. In
diesem Sinne fordern wir die caritativen Organisationen der christlichen
Kirchen auf, endlich keine 1-Euro-Jobber mehr zu beschäftigen. Wir finden es
unerträglich, dass christliche Organisationen Arbeitslose schamlos ausbeuten
und davon finanziell profitieren.

Außerdem jährt sich die Abschaffung des Buß- und Bettages als arbeitsfreier
Feiertag in diesem Jahr zum zehnten Mal.

1995 wurde der Buß- und Bettag auf Wunsch der Arbeitgeber als gesetzlicher
Feiertag gestrichen. Die Mehrarbeit sei nötig um die Pflegeversicherung zu
finanzieren, hieß es. Die ziemlich widerstandslos hingenommene Abschaffung
war damals ein Kristallisationspunkt in der bis heute geführten neoliberalen
Diskussion um die zu hohen Lohnnebenkosten in Deutschland, das nicht mehr
finanzierbare Sozialsystem, die Flexibilisierung der Arbeit und ähnlicher
Unbill.

Gläubige, holen wir uns diesen Feiertag zurück!

Jesus aber auch Mao Zedong verheißen, dass unser Glauben die Welt verändern,
ja sogar Berge versetzen kann (Matthäus 17,20; Mao, Gesammelte Reden). Wir
Gläubigen aus dem Bergischen Land, die wir dieser Zusage vertrauen, wir
können auch in schwierigen Zeiten Verantwortung übernehmen, wir können uns
einmischen, ein Zeichen setzen. Es kommt nur darauf an, dass einer anfängt.
Zeigt den Herrschenden euren Widerstand! Kommt zum Buss-Bettag nach
Wuppertal!

Sankt Prekaria bitte wirke ein Wunder in Wuppertal
(aber nicht nur wieder ein Regenwunder, diesmal wollen wir ein richtiges)

V.I.S.P. Junge Christen unterwegs, Freundeskreis Huschhusch, Agenturschluss
Wuppertal, Jünger und Schwestern der St. Prekaria Bergisch Land und viele
Hartz IV -Betroffene

St. Prekarius – der Schutzheilige der Armen und Entrechteten

Pedro Lentini wurde um 1496 als Kind bäuerlicher Eltern in einen Dorf nahe Rom
geboren. Noch bevor er das zwölfte Lebensjahr vollendete, starben seine
Eltern. Eines Sonntags als er in die Kirche kam, hörte der kleine Pedro aus
dem Evangelium die Botschaft: „Siehe, dass der Eine mit Mitteln reichlich
gesegnet ist, während der andere im Schweisse seines Angesichts sein Dasein
fristen muss, ist nicht von Gott gegeben“ (Joh.6,36). Pedro fühlte, daß die
Botschaft an ihn gerichtet war und gehorchte dem Wort Gottes. Von nun an
widmete er sein Leben der Gerechtigkeit. Er predigte was ihm von Gott
aufgetragen, und schnell fanden sich Anhänger um ihn ein, die ihn auf seinem
Weg begleiteten. Sie nahmen von den Reichen und gaben es den Armen. Schnell
verbreitete sich so die Kunde von den Taten Lentinis und seiner Anhänger.

Bald wurden die Reichen unruhig. Manch uneinsichtiger Wohlhabender trachtete
danach das Handeln des Pedro Lentini zu unterbinden. Ihrer Ansicht nach,
sollte ein jeder in harter Arbeit sein Leben fristen und sich verdingen
müssen.

Im Jahre 1525 traf Lentini in Mühlhausen auf Thomas Münzer. Erzählungen
zufolge ermutigten die Berichte über die Taten seiner Anhänger in südlicheren
Regionen die Bauern dazu, gegen ihr bisheriges Leben zu rebellieren. Auch in
anderen Teilen Europas folgten immer mehr Arme dem Beispiel des Pedro
Lentini. Sie fassten Mut als sie sahen, dass ihr unsicheres und ärmliches
Dasein nicht von Gott gegeben, sondern der ungerechten Verteilung der Mittel
geschuldet war. Das Erstarken von Lentinis Anhängerschar und seiner Taten
missfiel einigen mächtigen Fürsten zunehmend, so dass einer von ihnen
schließlich einen Meuchelmörder anheuerte. Dieser machte dem Leben des Pedro
Lentini in einer dunklen Nacht des Jahres 1529 ein Ende.

Seither wird er von seinen Anhängern als St. Prekarius verehrt. Dennoch ist
eine offizielle Heiligsprechung durch den Papst ist bis heute ausgeblieben.
Es gibt jedoch Gerüchte, die besagen, dass diese kurz bevorsteht.

St. Prekarius wird von allen Menschen verehrt, die fest an ein anderes Dasein
auf Erden glauben. Immer wieder zeigt sich St. Prekarius den Menschen, die
für ein Ende der Leiden auf Erden eintreten. Wieder und wieder legte er seine
schützende Hand über die Menschen, die für höhere Löhne und bessere
Arbeitsbedingungen, für billigen Wohnraum und Bleiberecht stritten.

So berichtete ein Augenzeuge:

„…Am 6. November 2004 hat die erste landesweite Wallfahrt stattgefunden, zu
der sich mehrere tausend Pilger in Rom zusammenfanden. Dabei ereignete sich
das erste Prekarius-Wunder: Keiner der aus allen Landesteilen per Bahn
angereisten Frommen brauchte einen Fahrausweis – zähneknirschend hat
TrenItalia ihre Bußgelddrohung gegen die organisierten Freifahrer
zurückgezogen. In Rom kam es auf Geheiß des Heiligen zu Gratiseinkäufen…“
Wal Mart – Flugblatt
Skt. Prekaria 05.12.2005 – 01:07
Wal-Mart: Billig ist nicht gleich gut
Derzeit findet in den USA eine Aktionswoche gegen die Unternehmenspraxis der
Wal-Mart-Kette statt. Gewerkschafterinnen und Mitarbeiter protestieren dort gegen die
neue Strategie des Konzerns, seine Sozialausgaben in den USA zu senken. Wal-Mart
versichert ohnehin nur weniger als die Hälfte seiner Angestellten, die restlichen sind im
Krankheitsfall zumeist auf die Armenfürsorge angewiesen, in den USA sind die
wenigsten kranken- und rentenversichert. Nun wurde ein betriebsinternes
Memorandum bekannt, das besagt, dass in Zukunft alle kranken und schwächeren Wal-
Mart-Angestellte durch harte körperliche Arbeit für möglichst alle Beschäftigten
„abgeschreckt“ werden sollen. Außerdem sei eine billige Krankenversicherung mit
hohen Zuzahlungen im Krankheitsfall wünschenswert.
Wal-Mart ist weltweit das umsatzstärkste Unternehmen. Im Jahr 2004 hat das Unternehmen 285
Milliarden US-Dollar umgesetzt und beschäftigt 1,6 Millionen Menschen. Damit ist Wal-Mart
zugleich der größte private Arbeitgeber der Welt. Die Erben des Gründers Sam Walton
gehören zu den zehn reichsten Menschen überhaupt.
Wal-Mart selbst sieht sich mit diesem Erfolg als „Hecht im Karpfenteich“ – es würde andere
Discounter dazu zwingen, ihre Geschäftspolitik zu ändern und so erfolgreich zu werden.
Tatsächlich verdrängt der Konzern viele kleinere Geschäfte vom Markt.
Aber: was genau ist diese erfolgreiche Geschäftspolitik?!
Zunächst einmal gehört es zur Wal-Mart-Strategie, seine Produkte zu
sehr niedrigen Preisen mit niedriger Gewinnspanne zu verkaufen. Was
schön für die Kundinnen und Kunden ist, geht aber nur auf Kosten
der Beschäftigten: in den USA sind die Löhne bei Wal-Mart um ein
Drittel niedriger als in anderen Einzelhandelsketten. Der Grund dafür
ist eine offen antigewerkschaftliche Unternehmenspolitik von Wal-Mart. So wurde in Kanada
kurzerhand ein Supercenter geschlossen, nachdem die Angestellten sich einer Gewerkschaft
angeschlossen hatten. Dies wurde auch in anderen Filialen und anderen Ländern als deutliche
Drohung verstanden: Wer sich organisiert, der fliegt! Im Schnitt laufen gegen Wal-Mart laufend
etwa 1.500 Klagen, davon die meisten wegen Verletzung des Arbeitsrechts.
Der Konzern gibt sich gerne das Image einer großen Familie, wo alle – Angestellte,
Filialleiterinnen und Management – als gleichberechtigte Partner für eine große gemeinsame
Sache zusammenarbeiten. Die Angestellten heißen dem gemäß auch „Gesellschafter“ im
Unternehmensjargon. Die Unternehmenspraxis sieht dagegen wenig gleichberechtigt aus und
nimmt bisweilen menschenverachtende Züge an: Beispielsweise, wenn Filialen in den USA ihre
Nachtschicht-ArbeiterInnen bis morgens um sechs einschließen – angeblich zu ihrem eigenen
Schutz; tatsächlich aber wohl, um zu verhindern, dass die Leute unerlaubt den Arbeitsplatz
verlassen oder Waren mitgehen lassen. Ihnen wird von der Filialleitung eingehämmert, die
Feuerschutz-Türen nur im Brandfall zu benutzen, sonst drohe die Kündigung. Aus diesem
Grund harrte z.B. Michael Rodriguez Anfang 2004 nach einem Unfall stundenlang mit einem
gebrochenen Knöchel aus, bis endlich jemand vom Management ihn aus dem Store befreite.
Wichtig in diesem Preiskrieg ist auch, die Produktionskosten der Waren nach unten zu drücken.
In den USA gingen durch diese Unternehmenspolitik unzählige anständig bezahlte Jobs
verloren. So verloren etwa bei der Firma Master Lock 250 organisierte ArbeiterInnen ihren Job,
als Wal-Mart seine Aufträge dort zurückzog und zu einem ausländischen Unternehmen
wechselte, das billiger produzierte.
Dafür wird auch in den USA wieder auf Kinderarbeit zurückgegriffen: Im Oktober
2002 musste Wal-Mart eine hohe Strafe zahlen, weil das Department of Labor in
1.436 Fällen Verstöße gegen das Gesetz gegen Kinderarbeit in 20 Wal-Mart-Ketten
nachweisen konnte.
Auch in den Billiglohnländern ist Wal-Mart ein wichtiger Akteur, der
die einzelnen Fabriken zu einem Wettlauf nach unten zwingt. Wal-
Mart – wie andere Unternehmen auch – bezieht seine Waren
inzwischen zum Großteil aus sog. Sweatshops, in denen zu
Niedriglöhnen, unter ausbeuterischsten Arbeitsbedingungen und
oft in Kinderarbeit produziert wird. Ein eigenes Einkaufsteam
durchsucht per Internet den globalen Markt nach den billigsten
Rohstoffen und den preiswertesten Produktionsbedingungen. So
wird mal hier, mal da bestellt – inzwischen China ist der wichtigste
Weltmarksproduzent für Wal-Marts Textilien. Die Näharbeiten
werden in China i.d.R. von 17 bis 25-jährigen Frauen gemacht, die
sieben Tage die Woche für Hungerlöhne schuften müssen, von
morgens bis oft nach Mitternacht. Sie verdienen zwischen 12 und
28 Cent die Stunde, müssen sich erzwungenen
Schwangerschaftstest unterziehen und leben zum Teil in
sklavenähnlichen Bedingungen mit Rund-um-die-Uhr-Bewachung.
Kontrolle durch Menschenrechtsorganisationen ist nicht gestattet,
geschweige denn unabhängige gewerkschaftliche Organisierung.
In Deutschland versucht Wal-Mart seit Mitte der 90er Jahre Fuß zu fassen. In die Schlagzeilen
geriet der Konzern hier mit seiner „Unternehmens-Ethik“, die neben vielen Banalitäten auch
Aufforderungen zur Denunziation der Kolleginnen sowie das Verbot von Freundschaften und
Liebesbeziehungen unter Mitarbeitern („wenn sie die Arbeitsbeziehungen dieser Person
beeinflussen können oder der Mitarbeiter Ihre Arbeitsbedingungen beeinflussen kann“)
enthielt. Der Gewerkschaft und den Angestellten von Wal-Mart ging dieser Angriff auf die
Privatsphäre zu weit; sie klagten und bekamen Recht.
Tatsächlich fährt Wal-Mart in Deutschland keine Gewinne ein.. Das liegt aber leider nicht so
sehr daran, dass die gewerkschaftliche Organisierung hier so großartig wäre, sondern vielmehr
daran, dass hier viele Supermarktketten – Aldi, Lidl, Penny-Markt u.a. – seit langem mit
denselben schlechten und arbeitnehmerinnenfeindlichen Unternehmensstrategien arbeiten.
Auch sie befinden sich seit langem im Preiskrieg. Sie bieten Billigprodukte an, die nur deshalb
so wenig kosten, weil die Angestellten viel arbeiten, unbezahlte Überstunden machen und
insgesamt wenig verdienen.
Es ist traurig zu sehen, dass es offenbar im Einzelhandel gerade die ausbeuterischsten
Unternehmensstrategien und die systematische Vernichtung von Arbeitsplätzen sind, die die
größte Gewinnspanne versprechen. Dass dieses Modell keine Zukunft hat, ist einleuchtend.
Verändern können es aber nur zwei: Erstens die Arbeitnehmerinnen, wenn sie nicht länger
alles mit sich machen lassen, um nur ihren Arbeitsplatz nicht zu verlieren..
Und zweitens die Kund/innen, wenn ihnen beim Einkauf nicht mehr alles gleichgültig ist, außer
dass der Preis stimmt. Auch wenn in Zeiten von Hartz-IV der Einkauf regionaler Produkte im
Bioladen oder der Umstieg auf fair(er) gehandelte Produkte
für viele nicht mehr erschwinglich ist: Es ist und bleibt
wichtig, ein Auge zu behalten auf die Herstellungs- und
Arbeitsbedingungen, und die Proteste und Kämpfe der
Arbeiterinnen zu unterstützen. Deshalb:
Solidarität mit den protestierende Solidarität protestierenden
GewerkschafterInnen in den USA!!!
verteiltes Flugblatt zu Zwangsumzügen
Sankt Prekaria 05.12.2005 – 16:43
Die Wuppertaler ARGE und ihr Umgang mit angemessenem Wohnraum.

In Wuppertal werden BezieherInnen von ALGII oft rechtswidrig zur Senkung ihrer Miet- und Wohnungskosten aufgefordert. Über die bestehende Rechtslage erfolgt ebenfalls keine ausreichende Belehrung, sodass die Betroffenen oft hilflos der Willkür der ARGE ausgesetzt sind!

Seit der Einführung von den Hartz-Gesetzen, die die Arbeitslosen- und Sozialhilfe neu regeln, gelten bestimmte Parameter die die Angemessenheit einer Wohnung für eine Person festlegen. Das bedeutet, dass Menschen, die in einer zu großen oder zu teuren Wohnung leben aufgefordert werden, ihre vielleicht schon seit Jahren bewohnte Wohnung zu verlassen oder auf anderem Wege die Kosten zu senken, zum Beispiel Untervermietung (wobei hier die Frage aufgeworfen wird, in wieweit sich der Bedarfsgemeinschaftsstatus ändert). Innerhalb dieses Verfahrens gibt es für die Betroffenen durchaus noch Rechte, die in Anspruch genohmen werden dürfen und die die ARGE erfüllen muss. Wenn eine ALG II – Empfängerin zum Beispiel ihre Wohnung wechselt, darf diese auch teurer sein als die bisherige Wohnung, solange sich die Miete innerhalb der Grenzen für Mietzuschüße befindet. Die ARGE muss auf jeden Fall die neue Miete übernehmen. Umzugskosten müssen ebenfalls von der ARGE übernomen werden, wenn der Umzug aufgrund einer Aufforderung der ARGE erfolgt. Und was den Betroffenen auch gewährt werden soll, ist eine umfangreiche Beratung und Rechtsfolgebelehrung, die die ARGE laut Gesetz durchführen muss.
Die Wuppertaler ARGE tut sich jedoch bei der Verfolgung solcher “Vergehen” als besonders eifrig hervor und vergisst dabei leider oft, die Interessen und Rechte der Betroffenen zu erfüllen. Im bundesweiten Verglech geht keine ARGE so restriktiv mit den Unterkunftskosten um wie die hiesige. Nach einer Schätzung von Tacheles e.V. leben in Wuppertal etwa 5800 Menschen in nicht angemessenen Wohnungen. Von denen müssten theoretisch alle einen Bescheid zur Senkung der Kosten erhalten. Nach offiziellen Angaben der ARGE erhielten lediglich 450 Haushalte eine solche Aufforderung, inoffiell liegt die Zahl vermutlich deutlich höher. Wie regide und teilweile rechtswidrig die Praxis der Wuppertaler ARGE aussieht, sollen die folgenden Beispiele deutlich machen:

Einer Person wurde beschieden, weil ihre Miete 7,23 € teurer und die Wohnung um 5,35 qm größer war als der für angemessen gehaltene Wohnraum von 45qm und 222,75 € Kaltmiete. Der Rest muss von der Grundsicherung bezahlt werden.Frist: 3Monate
Einer Person wurde beschieden, weil ihre Wohnung 3qm zu groß und 23,25€ zu teuer war. Auch hier das gleiche wie oben. Frist: 4Monate
Eine Person geht der Aufforderung zum Umzug nach und sucht sich eine neue Wohnung. Diese wird von der ARGE auch genehmigt, doch verweigert diese die Übernahme der Umzugskosten, weil angeblich seit dem 01.05.05. die Kosten von den Mietern übernommen werden müssen. Tatsächlich hat sich aber bundesweit an diesem Stichtag nichts verändert und die ARGE wäre verpflichtet, die Kosten zu übernehmen, da zum einen die ARGE zum Umzug aufgefordert hat, und zum anderen die Wohnung auch von ihr genehmigt wurde. Also ist der Bescheid rechtswidrig.
Des weiteren werden die Bescheide mit Fristen von unter einem Monat bis zu 5 Monaten verschickt. Somit werden teilweise Fristen gesetzt, die unter der gesetzlichen Frist zur Kündigung einer Wohnung liegen.
Dabei sind diese Aufforderungen aus mehreren Gründen rechtswidrig. Zum einen existierte zu dem Zeitpunkt der Verschickung der Aufforderungen in Wuppertal keine neue Richtlinie, die auf die neuen Gesetzte abgestimmt ist. Das verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz nach Art.3 Abs.1 GG der besagt, dass die Verwaltung angehalten ist, in gleichartigen oder ähnlich gelagerten Fällen das Recht insbesondere bei unbestimmten Rechtsbegriffen nicht ohne sachlichen Grund unterschiedlich anzuwenden. Konkret bedeutet dies, da es sich bei den meisten Fällen um Überschreitungen von den angemessenen Unterkunftskosten handelt, dass beispielsweise die Fristen einheitlich und angemessen gesetzt werden müssen. Aus sachlichen Gründen lassen sich keine Fristen unter einem Monat zur Senkung der Unterkunftskosten erklären!
Zum anderen suggeriert die ARGE mit ihren Bescheiden mit Auforderungen zum Umzug, dass sie das Recht habe, dazu aufzuforden. Doch die Rechtslage ist in diesem Fall eindeutig: Wenn ALG II EmpfängerInnen nicht umziehen oder anderweitig die Kosten senken, bleibt der ARGE als Sanktion nur die Minderung der Mietzahlung auf das Mindestniveau, wobei auch hier, wie bei vielen anderen Sanktionen, keine Verpflichtung besteht, diese zu verhängen! Sie kann gar nicht zu einem Umzug auffordern oder gar einen Zwangsumzug androhen! Die ARGE gibt damit vor Rechte zu haben, die sie de facto nicht besitzt. Dadurch werden die LeistungsbezieherInnen falsch infomiert und eingeschüchtert. Ihnen wird auch keine ausreichende, wie vom Gesetztgeber vorgesehene Beratung und Rechtsfolgebelehrung seitens der ARGE angeboten. Dass kann unter Umständen zu erheblichen finaziellen Einbußen führen, wenn zum Beispiel nicht darüber aufgeklärt wird, dass die Umzugskosten nur dann übernommen werden, wenn die ARGE die neue Wohnung vorher genehmigt. Ansonsten verfällt das Recht auf Erstattung.

Neben den bereits genannten rechtswidrigen Zuständen gibt es noch datenrechtlich bedenkliche Anforderungen von Daten der Betroffenen, die nicht unmittelbar für die Feststellung des Bedarfs notwendig sind. Zum Beispiel spielt für die Genehmigung einer Wohnung keine Rolle, ob diese noch eine Gästetoilette hat oder nicht. Gefragt wird trotzdem danach. Die ARGE greift im großen Umfang in die Privatsspäre der Menschen ein, unterstützt durch die Kontrolleure der Arbeitsagentur.

Es lässt sich festhalten, dass im bundesweiten Vergleich die Wuppertaler ARGE am restriktivsten mit den Kosten der Unterkunft (KdU) umgeht. In keiner anderen Kommune werden Bescheide wegen Kleinigkeiten verswchickt und auch teilweise sogar rechtswidrig. Toleranzen und Ermessensspielräume, die dieses neue “Sozial” gesetzt zulässt, werden von der ARGE gar nicht oder nur zum Nachteil der Betroffenen ausgenutzt. Dadurch entstehen unnötige Härten für Menschen, die sowieso schon dank der Poltik und der Medienberichterstattung an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden sollen und sich für ihre Situation pausenlos rechtfertigen müssen.
Menschen die Erwerbslos sind, haben genauso Anspruch auf eine menschenwürdige Behandlung. Art. 1 GG besagt nicht umsonst, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Schließlich wird auch nicht überprüft, was die ARGE MitarbeiterInnen mit ihrem Gehalt machen, obwohl es sich dabei auch um öffentliche Gelder handelt. Genau wie bei den ALG – Geldern.
Flugblatt zu Lidl
St Prekaria 06.12.2005 – 14:04
Der Heilige Prekarius ist heute
in Lidl Supermärkten in Wuppertal zu Gast!

Freuet Euch, aber freuet euch nicht zu früh!!

Ihr sollt nicht wähnen, dass ich gekommen sei, Frieden auf die Erde zu
bringen. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
(Ich bin der Trompeter von Jericho und der heilige Prekarius schickt mich
zu schauen, ob ich auch hier Kraft meiner Trompete Mauern zum Einstürzen
bringen muss.)

Liebe Beschäftigte, fürchtet euch nicht!

Wir sind geschickt vom Heiligen Prekarius, der heute die Stadt Wuppertal
besucht. Wir suchen die Geschäftsführung und den Vorarbeiter oder die Vorarbeiterin dieses
Lidl-Supermarktes. Wo hat er sich versteckt? Die Dreifaltigkeit ist abgesandt worden, um der hiesigen Geschäftsleitung ein klitzekleines Ultimatum zu stellen.

Wir haben schlimme Dinge von Lidl gehört!

Unter dem Motto „LIDL ist billig!“ wächst der Einzelhandelsriese in ganz
Europa und fährt dabei prächtige Gewinne ein. Doch diese Billig-Strategie
geht auf Kosten von Mensch und Umwelt:
LIDL- MitarbeiterInnen werden
* zu Überstunden gezwungen,
* durch unangekündigte Testkäufe gestresst,
* regelmäßig wegen „Diebstahlverdachts“ durchsucht
* und bei Kritik oder Organisierung schnell entlassen.

Billig auf Kosten der Beschäftigten

Bis heute: gibt es nur in 8 von 2.600 Filialen Betriebsräte. Wenn wie in München sich die Beschäftigten trauen, einen Betriebsrat zu wählen, werden die AktivistInnen fristlos entlassen.
In Calw wurde sogar die Schliessung der Filiale durchgesetzt. „Grund“: Die Filiale sei nicht mehr zeitgemäss. Das bedeutet das Aus für die 15-köpfige Belegschaft mit Betriebsrat.

Der Heilige Prekarius ist sehr zornig .

er möchte wissen, wer dafür verantwortlich ist, wer schikaniert die Beschäftigten, wer drangsaliert und bedroht die VerkäuferInnen. Entlastet euer Gewissen und eure Herzen. Wie heißt der Ungläubige, der da wagt die Menschenwürde mit Füssen zu treten, der wagt die Betriebsratswahl zu verhindern, der da so keck Taschenkontrollen durchführt?

Der Heilige Prekarius ist sehr neugierig

Wie sieht er aus, wo ist sein Haus, welcher Name steht an seinem Klingelschilde, welches Auto steuert er nach Haus. Der Heilige Prekarius möchte alles wissen. Wenn ihr Klage führen wollt, aus dem Verborgenen und im Gebet, dann saget und schreibet uns, was euch
widerfahren ist.

Der Heilige Prekaris liest gerne e-Mails:

Schreibt anonym an Mina-knallenfalls@web.de
oder schreibt bei http://www.verdi-blog.de/lidl/

Der Heilige Prekarius ist sehr ungeduldig

Er sagt zur Geschäftsleitung, ich gebe euch 4 Monate Zeit und bis dahin
müssen sich Dinge zum Besseren entwickeln.

Der Heilige Prekarius ist sehr gnädig.

Wenn bis zum 2. Advent in diesem Lidl-Markt ein Betriebsrat gewählt ist,
die Überstunden freiwillig bezahlt werden, die Testkäufer nie wieder auftauchen
und das Betriebsklima zu aller Zufriedenheit gediehen ist, dann sagen
wir euch die Absolution zu. Dann ist die Geschäftsleitung frei von Sünde, und der
Heilige Prekarius wird an eurer Weihnachtsfeier teilnehmen.

Der Heilige Prekarius kann aber auch sehr böse sein

Dann helfen dann auch keine Gebete mehr, sondern nur noch Wunder wie es im
Evangelium des Matthäus geschrieben steht:

Heilet Kranke, weckt Tote auf, reiniget Aussätzige, treibet Dämonen aus!
Umsonst habt ihr es empfangen, umsonst gebet es!

Solidarische Grüße an die Lidl-Belegschaften in München und Calv

Es grüßt euch der Heilige Prekarius und seine konsum- und kapitalismuskritische Himmelsschar

http://www.sanktprekarius.tk

Stadtrundgang 2000

Zeitzünder Sommerloch 2000

Kein Fußbreit den Fachisten!

Kundgebung gegen die Schändung die Schändung der Gedenkstätte Kemna in
Wuppertal

8. Juli 2000 12.00 Uhr Schwebebahnhof Döppersberg

u.a. mit Redebeiträgen von WiderstandskämferInnen
anschl. antifaschistischer Stadtrundgang zu Wuppertaler Nazi-Funktionären

9. Juli 2000 11.00 Uhr Mahnmal Kemmna

Gedenkstunde und Veranstaltung zu Nazi-Terror und Widerstand in Wuppertal

In der Nacht auf den 4. Juli haben unbekannte Neonazis die Gedenkstätte des
ehemaligen Konzentrationslagers Kemmna mit Hakenkreuzen beschmiert und mit
Nazuparolen beschriftet. Kränze, u.a. von der Vereinigung der Verfolgten des
Nazuregines vor kurzem niedergelegt, wurden in einen nahegelegenen Bach
geworfen.
In derselben Nacht wurden in Düsseldorf zwei AusländerInnen von sieben
Shinheads angegriffen. Einer von ihnen wurde schwer verletzt und auf die
S-Bahn-Gleise geworfen. Einige der TäterInnen sind Mitglieder einer
rechtsradikalen Band.
Das sind nur zwei Beispiele, aus unserer Region und von dieser Woche.
Übergriffe von Neonazis auf AusländerInnen, Linke, Homosexuelle, und andere
Menschen, die nicht in Ihr Weltbild passen, sind inzwischen weitgehend zur
Normalität geworden. Oft gibt es dabei sogar Tote, wie zuletzt in
Eberswalde, wo ein Antifaschist von Nazis zusammengeschlagen und vor ein
fahrendes Auto geworfen wurde, und in Dessau, wo ein Mozambikaner von Nazis
zu Tode geprügelt wurde.
Wir gelauben nicht, dass diese „Aktivitäten“ von Neonazis gehäuft auftretende
„Einzelfälle“ sind. Es ist auch kein Zufall, daß es – auch in Wuppertal -
Stadtteile gibt, in denen an jedem Laternenpfahl NPD-Aufkleber hängen. In
unserer Gegend gibt es in Schwelm gefestigte NPD-Strukturen um den
Geschichtsstudenten Thomas Crämer und seinen Parteifreund Axel Hellmann, die
auch auf die Wuppertaler Nazu-Szene großen Einfluß ausüben. Und auch in
Wuppertal gibt es Stadtteile, wo AusländerInnen oder linksaussehende
Menschen sich nachts besser nicht alleine aufhalten.
Zwischen Übergriffen, Aufmärschen, Schmierereinen an Gedenkstädten, Aktionen
gegen die Wehrmachtsausstellung und der Präsenz von Rechtsradikalen und
ihren Parolen im Straßenbild gibt es einen Zusammenhang: Ganz offensichtlich
gibt es wieder mehr Nazis, die zudem auch in der Lage sind, sich immer
effektiver zu organisieren.

Gegen diese schleichende Normalisierung und Alltäglichkeit des Nazi-Terrors
wollen wir auf die Straße gehen.

Gerade die Schändung der Gedenkstätte in Kemmna darf nicht unbeantwortet
bleiben. Wir begreifen diese Naziaktion als Angriff auf das Vermächtnis der
WiderstandskämferInnen. Die Kemmna ist nicht irgendeine der zahllosen
Terrorstätten der Nazis in Deutschland. Die Kemmna wurde im Juli 1933 als
eines der ersten Konzentrationslager im Deutschen Reich installiert. In der
Kemmna wurden Hunderte von AntifaschistInnen aud den umliegenden Städten
inhalftiert.
Dach dem Reichtagsbrand brachen alle Dämme. Ganze Stadtteile wurden
durchkämmt, immer neue Razzien der Polizei und ihrer neuen Hilfstruppen
ließen die Bewohner der „roten“ Stadtteile kaum zur Ruhe kommen. Die Opfer
wurden nicht in aller Stille abtransportiert, sondern vielfach in langen
Zügen zusammengestellt, blutüberströmt und mit Spott-Tafeln um den Hals
unter den Augen der Öffenlichkeit durch die Zentren der Städte bis zu den
Gefängnisssen und „wilden“ Konzentrationslagern getrieben, wo viele
gefoltert und ermordet wurden. Ihre Leichen warfen die Morder auf Straßen
und öffenliche Plätze, denn sie wollten und brauchten ihre Taten nicht zu
verheimlichen. Die Kemmna steht für diese erste Phase des Nazi-Terrors in
Wuppertal. Über 30 AntofaschistInnen wurden in dieser Zeit in Wuppertal
ermordet.
Die Kemmna war noch kein Vernichtungslager, in der Kemmna wurde „nur“
gequält, gefoltert, geprügelt, gehungert, Häftlinge wurden in die kalte
Wuppert gejagt, es wurde gedemütgt und mißhandelt. Manche Häftlinge wurden
Krüppel für ihr Leben lang. Einige überlebten die Mißhandlungen und
Verletzungen nicht wie der kommunistische Stadtverordnete Otto Böhme.

Wir rufen die antifaschistiche Öffenlichkeit in Wuppertal und anderwo auf,
diese Naziaktion, nicht unkommentiert stehen zu lassen. Zeigen wir der
Öffenlichkeit, daß die Erinnerung an den Kampf gegen die Nazibarberei
lebendig ist und zeigen wir auf dem antifaschistischem Stadtrundgang einigen
Nazifuktionären sehr persönlich, daß ihre Aktionen nicht unbeantwortet
bleiben werden.

Kein Vergeben! Keine Vergessen!

Autonome AntifaschistInnen aus Wuppertal 5.7.2000

Stadtrundgang 2002

Heraus zum antifaschistischen Stadtrundgang in Wuppertal

In Erinnerung an die 150 Wuppertaler Edelweiß-Piraten, die am 2. Februar 1943 mitten im Krieg die Nazis in Schwelm angriffen

9.2.2002 11.00 Uhr Schwebebahn Döppersberg Karnevals-Samstag

„Die Dortmunder Gestapo stellt ihre Scheinwerferwagen in allen Ausfallstraßen Schwelms auf. Leuchtet die ganze Stadt ab! Unsere Feierstunde zu Ehren des Führers, den „Schwelmer Krieg“ zu illuminieren. (…) Die ganze Stadt kocht im Aufruhr. Unfaßlich: Die Bündischen aus Wuppertal haben die Festveranstaltung der Hitler-Jugend zum 10. Jahrestag der „Machtergreifung überfallen.
(…) Einhundertund fünfzig Jungen waren es; und dreißig Mädchen waren auch dabei.! Rein in die Stadt von allen Seiten! Drauf auf die Festtagskolonnen!
Mit bleigefüllten Schläuchen von Vorwerk und Sohn stiegen sie aus der Straßenbahn. Vom Strandbad kommen sie. (…) Rein in die Hitlerjugendmassen.
Und die Nazis weichen Sie hauen ab! Und sind in so großer Überzahl! Und haben einen so kleinen Mut! (…). Was für ein Jubeltag! In der friedlichen Stadt mitten im Krieg ein Krieg. Nur acht von diesen, die sie Edelweißpiraten nennen, schnappten sie.“

Wir laden auch dieses Jahr ein mit uns durch Wuppertal und Umgebung zu schweben, um unseren Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse praktisch zu dokumentieren.
Ein Schwerpunkt, das sei hier schon verraten, sind die Nazischweine, die uns an der Kemna überfallen haben. Eine Auswahl könnt ihr der Liste entnehmen.
Näheres über die Naziszene in Wuppertal und Umgebung wird am 1. Februar im AZ bekanntgegeben.

Auch einige der lokalen Nutznießer von Arisierung und Zwangsarbeit warten auf einen Besuch … .

Der Krieg in Afghanistan und die damit einhergehende Verschärfung der Sicherheitsgesetze sind ein weiterer Schwerpunkt. Hier gelten unsere Besuche nicht nur prominenten lokalen Kriegstreibern, sondern auch Schreibtischtätern und Institutionen, die den Rückenwind vom 11. September ausnutzen und MigrantInnen und Flüchtlingen das Leben schwer machen und williger denn je die rassistischen Sondergesetze exekutieren.

Das der Innere Sicherheits-Diskurs sich vor allem gegen die Minderheiten richtet, die sich dem kapitalistischen Zugriff entziehen, wie Flüchtlinge, Drogenkranke, Obdachlose, ist nicht erst seit dem Wahlsieg von Schill bekannt.

Ihre Vertreibung aus den Innenstädten und die repressive Drogenpolitik sind weitere Themen unseres Stadtrunganges. Hier wird zu untersuchen sein, wie sich die örtliche BGS und Polizei im letzten Jahr gegenüber ausländischen Menschen und anderen Minderheiten verhalten haben.

Der Stadtrundgang verlangt auch diesmal wieder Wendigkeit in allen Lebenslagen und allen Laufrichtungen, gute Ortskenntnisse oder Stadtpläne, Humor und den nötigen Ernst zur lockeren Konfrontation. Wir sind sicher, daß wir auch dieses Jahr wieder den Bereitschaftbullen und den Stasi-Agenten entkommen werden, um ungestört an ungewöhnlichen Orten ungebetene Besuche durchführen zu können. Wuppdika, nutzen wir den Wuppertaler Straßen-Karneval auf unsere Weise. Bringt, Kostüme und Verkleidungen aller Art mit!

Nazis einschüchtern! Schreibtischtäter besuchen! Zwangsarbeiter entschädigen! Nieder mit Deutschland!

Autonome AntifaschistInnen aus Wuppertal

Maik Hilgert, NPD-Vorsitzender, beteiligt am Kemna-Angriff Ibachstr. 5
Wolfgang Pohlmann, Rep-Landesschriftführer Theoderichstr. 51
Ritter, Ernst-Werner u. Ursula DVU-Vorsitzender Saarbrückerstr. 44
Ritter, Veit Schill-Partei-Wuppertal, kandidierte schon mehrmals zum Stadtrat als unabhängiger Kandidat Oberdörnen 34
Wölk, Manuela Mitglied im NPD-Vorstand (Schwester von Norbert Wölk, der wegen dem Kemnaangriff noch im Knast sitzt) Feldstr. 50
Schallenberg, Dennis NPD-Wuppertal Schwarzbach 48
Haarhaus, Thomas beteiligt am Kemna-Angriff Tannenbergerstr. 63
Spies, Marc NPD-Wuppertal Germanenstr. 11

ENNEPE-RUHR-KREIS
Crämer, Thorsten Organisator des Kemna-Angriffs, ehem. Mitglied des JN-Bundesvorstandes Kantstr. 13 Schwelm
Marc von Ort Kopf der Kameradschaft Ennepe-Ruhr Wuppermannstr. 32
Müller, Michael Kameradschaft Ennepe-Ruhr Südstr.12 Ennepetal
Falkenrath, Maik Kameradschaft Ennepe-Ruhr Ambrosius-Brandt-Str.36 Ennepetal
Koch, Björn Kameradschaft Ennepe-Ruhr Metzerstr. 20a Schwelm
Luthe, Sven Kameradschaft Ennepe-Ruhr Holthausstr.18 Schwelm




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