Archiv der Kategorie 'St. Prekarius'

Rémi Gaillard Aktionskunst aus France

Rémi Gaillard
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Rémi Gaillard (* 7. Februar 1975 in Montpellier) ist ein französischer Comedian und Internetberühmtheit, der wegen seiner medial dokumentierten Streiche bekannt wurde. Der Familienname, hier der Künstlername, „Gaillard“ bedeutet auf Französisch so viel wie „Witzbold“. Gaillard begann 1999, nachdem er seinen Job als Schuhverkäufer verlor, mit dem Filmen seiner Streiche und hat bis heute über 100 Videos auf kostenlosen Videoportalen veröffentlicht.

Auftritte [Bearbeiten]

Im Mai 2002 zog Gaillard die Aufmerksamkeit der französischen Medien auf sich, als er am Ende des Finales des französischen Fußballpokals, als Spieler der Siegermannschaft FC Lorient verkleidet, auf das Spielfeld gelangen und an den anschließenden Zeremonien teilnehmen konnte. Dabei schüttelte er sogar die Hand des damaligen Präsidenten Jacques Chirac.[1][2]

Am 27. Juli 2002 stellte er sich während des Abspielens der französischen Nationalhymne in die Reihe der Spieler der Herren-Volleyballnationalmannschaft auf. Dabei trug er, um nicht aufzufallen, das gleiche Trikot wie die Spieler, das allerdings keine Rückennummer aufwies. Eurosport übertrug dieses Ereignis live.[3]

Anmerkungen [Bearbeiten]

1. ↑ http://www.youtube.com/watch?v=LKbUOeMuvtk
2. ↑ L‘Équipe/Gérard Ejnès: Coupe de France. La folle épopée. L‘Équipe, Issy-les-Moulineaux 2007 ISBN 978-2-915-53562-4, S. 278 (dort auch Fotos der Aktion)
3. ↑ http://www.youtube.com/watch?v=nj7mBO9G5qo

Weblinks [Bearbeiten]

* Webpräsenz von Rémi Gaillard
* Filmbeitrag der Deutschen Welle
* Konrad Lischka: Krawall-Komik: Pac-Man stürmt Supermarkt, Spiegel Online, 20. April 2009

Pac-Man stürmt Supermarkt

Von Konrad Lischka

Rémi Gaillard ist in Frankreich mit Web-Videos zum Star geworden: Er frisst als Pac-Man Supermärkte leer, trauert im Hühner-Kostüm um Fast Food, stellt Polizisten Knöllchen aus und jagt als Hai verkleidet Strandurlauber mit Rasierschaum.

Die alte Dame mit dem Einkaufstrolley bleibt ungläubig im Supermarkteingang stehen: Ein Wesen in gelben Leggings und Smiley-Kostüm mit weit aufgerissenem Mund rennt ihr entgegen, hetzt an der Backtheke vorbei, stürmt in den Supermarkt – gejagt von vier Geistern in Pink, Blau, Rot und Orange. Wer sich in der Videospiel-Geschichte etwas auskennt, erkennt die fünf Gestalten, die einen Supermarkt im französischen Mittelmeerstädtchen Montpellier stürmen, als Figuren aus dem Spiel Pac-Man.

Rémi Gaillard: Der französische Komiker rast als Pac-Man durch einen Supermarkt

Rémi Gaillard: Der französische Komiker rast als Pac-Man durch einen Supermarkt
In den Gängen dieses Supermarktes spielen die fünf kostümierten Franzosen dann vor laufender Kamera und ahnungslosem Publikum Pac-Man nach – zu sehen in einem YouTube-Video. Der gelbe Allesfresser schnappt sich unterwegs, was er an herumliegendem Krempel kriegen kann, weicht den Geistern aus und jagt sie, sobald er eine Superkräfte verleihende Erdbeere erwischt hat.

Den Pac-Man spielt in dem Video der Komiker Rémi Gaillard. In Frankreich ist der 34-Jährige mit Web-Videos ein Star geworden. Seine kurzen Filme funktionieren allesamt so wie der Pac-Man-Clip: Versteckte Kamera filmt absurde Gags vor ahnungslosen Menschen. Gaillard stürmt als Pac-Man nicht nur durch den Supermarkt. Er rennt auch in ein Billard-Bistro und klaut Kugeln. Und er läuft über einen Golfplatz, wo er sich einen Ball schnappt – daraufhin prügelt ihn ein Golfer mit seinem Schläger.

Das Pac-Man-Video endet, als Gaillard zum dritten Mal hinfällt. Nach der Logik des Computerspiels hat er damit sein drittes Leben verloren, im Film wird er von den Sicherheitsbeamten des Supermarkts eingefangen. Ein großartiges Bild: Einem uniformierten Wächter gelingt es nur mit Mühe, Gaillard in seinem dicken, gelben Pac-Man-Kostüm zu umfassen – um dann die grinsende, gelbe Kugel in Richtung Ausgang zu schleifen.

Mit solch intelligenter Krawall-Komik ist Gaillard berühmt geworden, in Frankreich zumindest. Basis für Gaillards Ruhm ist nicht eine Fernsehshow, sondern das Web: Mehr als hundert Clips hat er bei Dailymotion und YouTube veröffentlicht, eine Übersicht findet man auf seiner Website Nimportequi.com und inzwischen hat er auch eine Facebook-Fanseite. Die betreibt er seit 2001. Seitdem haben laut Gaillards Rechnung Zuschauer die Filme mehr als 280 Millionen Mal angesehen.

Der Name seiner Seite ist Teil von Gaillards Slogan, der am Ende jedes Clips steht: „C‘est en faisant n‘importe quoi qu‘on devient n‘importe qui“ – auf Deutsch heißt das sinngemäß: „Wenn du irgendwas machst, wirst du irgendwer.“ Das hat denselben schnodderig negativ-überhöhenden Beiklang wie der flachere deutsche Spruch „Wer nichts wird, wird Wirt“.

Astronaut ärgert Golfer

Geworden ist aus Gaillard durchaus etwas: Er verdient inzwischen auch mit Werbefilmen Geld, die er für Firmen wie Orangina und Nike dreht. Die Unternehmen zahlen für den Gaillard-Stil – und von Stil kann man sehr wohl sprechen. Gaillard ist kein simpler Klamauk-und-Krawall-Komiker, seine Gags und Clips folgen ganz eigenen visuellen und strukturellen Gesetzen.

Da gibt es die einfachen Einschleich-Tricks. Gaillard zieht sich ein Kostüm an (er trägt fast immer Verkleidungen) und kommt je nach Ort und Anzug als Volleyballer, Fußballspieler oder Tennisprofi aufs Feld, um dann das Publikum zu verstören, weil er sich so ganz anders verhält als man es von Menschen in Sport-Uniform auf dem Platz erwartet.

In anderen Clips ist die Komik subtiler: Gaillard trägt eine Verkleidung, die nur im gefilmten Bild zum Ort passt. Wenn er im Astronauten-Anzug in einem Caddy über den Golfplatz fährt, um sich mit langsamen, federnden Schritten eine Fahne zu schnappen, sieht das mit dem entsprechendem Klang im Film nach Mondlandung aus. Die Golfer verstehen die visuelle Logik nicht, sie sehen nur einen Störenfried im Schutzanzug, der ihnen das Spielgerät klaut – umso witziger!

Es gibt sehr laute Gaillard-Clips (er hüpft im Känguru-Kostüm herum und tritt einen Golfer ins Wasser, greift in Hai-Verkleidung Urlauber an), aber auch ganz stille, die wunderbar absurd, aber eben kein Schenkelklopfer sind: Da kriecht Gaillard als Schnecke auf einer Straße vor einer hupenden Autokolonne her, legt als Huhn an einer Händl-Braterei Blumen nieder oder wird neben Passanten als Banane verkleidet von einem Mitspieler im Gorilla-Kostüm erschlagen und fortgeschleift.

So brillant viele dieser Clips sind, so wenig Aufhebens macht Gaillard im Interview darum. Seine Version seiner Lebensgeschichte klingt so: Er begann mit der Filmerei, als und weil er 1999 seinen Job als Schuhverkäufer verlor. Dem deutschen Auslandsfernsehen DW-World erzählte Gaillard: „Ich mache die Filme nur, damit ich mein eigener Chef sein kann. Wenn ich morgens aufstehe, entscheide ich selbst, was ich machen will. Ich mache, was ich will, und ich habe Spaß dabei.“

Seinen ersten Clip drehte er in einer Autowaschanlage: Gaillard duschte sich dort, ein Freund filmte die Reaktion der Kunden. Landesweit bekannt wurde Gaillard 2002, als er nach dem Endspiel um den französischen Fußballpokal im Trikot des Gewinnerteams Lorient auf den Rasen lief, mitfeierte und vom damaligen Präsidenten Jacques Chirac beglückwünscht wurde. Als feiernder Lorient-Spieler gab Gaillard damals Autogramme, Interviews und erschien im Fernsehen, in Zeitungen und angeblich auch auf einem Foto im Jahrbuch des französischen Fußballverbands.

URL:

* http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619861,00.html

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Rémi Gaillard
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Rémi Gaillard (* 7. Februar 1975 in Montpellier) ist ein französischer Comedian und Internetberühmtheit, der wegen seiner medial dokumentierten Streiche bekannt wurde. Der Familienname, hier der Künstlername, „Gaillard“ bedeutet auf Französisch so viel wie „Witzbold“. Gaillard begann 1999, nachdem er seinen Job als Schuhverkäufer verlor, mit dem Filmen seiner Streiche und hat bis heute über 100 Videos auf kostenlosen Videoportalen veröffentlicht.

Auftritte [Bearbeiten]

Im Mai 2002 zog Gaillard die Aufmerksamkeit der französischen Medien auf sich, als er am Ende des Finales des französischen Fußballpokals, als Spieler der Siegermannschaft FC Lorient verkleidet, auf das Spielfeld gelangen und an den anschließenden Zeremonien teilnehmen konnte. Dabei schüttelte er sogar die Hand des damaligen Präsidenten Jacques Chirac.[1][2]

Am 27. Juli 2002 stellte er sich während des Abspielens der französischen Nationalhymne in die Reihe der Spieler der Herren-Volleyballnationalmannschaft auf. Dabei trug er, um nicht aufzufallen, das gleiche Trikot wie die Spieler, das allerdings keine Rückennummer aufwies. Eurosport übertrug dieses Ereignis live.[3]

Anmerkungen [Bearbeiten]

1. ↑ http://www.youtube.com/watch?v=LKbUOeMuvtk
2. ↑ L‘Équipe/Gérard Ejnès: Coupe de France. La folle épopée. L‘Équipe, Issy-les-Moulineaux 2007 ISBN 978-2-915-53562-4, S. 278 (dort auch Fotos der Aktion)
3. ↑ http://www.youtube.com/watch?v=nj7mBO9G5qo

Weblinks [Bearbeiten]

* Webpräsenz von Rémi Gaillard
* Filmbeitrag der Deutschen Welle
* Konrad Lischka: Krawall-Komik: Pac-Man stürmt Supermarkt, Spiegel Online, 20. April 2009

Pac-Man stürmt Supermarkt

Von Konrad Lischka

Rémi Gaillard ist in Frankreich mit Web-Videos zum Star geworden: Er frisst als Pac-Man Supermärkte leer, trauert im Hühner-Kostüm um Fast Food, stellt Polizisten Knöllchen aus und jagt als Hai verkleidet Strandurlauber mit Rasierschaum.

Die alte Dame mit dem Einkaufstrolley bleibt ungläubig im Supermarkteingang stehen: Ein Wesen in gelben Leggings und Smiley-Kostüm mit weit aufgerissenem Mund rennt ihr entgegen, hetzt an der Backtheke vorbei, stürmt in den Supermarkt – gejagt von vier Geistern in Pink, Blau, Rot und Orange. Wer sich in der Videospiel-Geschichte etwas auskennt, erkennt die fünf Gestalten, die einen Supermarkt im französischen Mittelmeerstädtchen Montpellier stürmen, als Figuren aus dem Spiel Pac-Man.

Rémi Gaillard: Der französische Komiker rast als Pac-Man durch einen Supermarkt

Rémi Gaillard: Der französische Komiker rast als Pac-Man durch einen Supermarkt
In den Gängen dieses Supermarktes spielen die fünf kostümierten Franzosen dann vor laufender Kamera und ahnungslosem Publikum Pac-Man nach – zu sehen in einem YouTube-Video. Der gelbe Allesfresser schnappt sich unterwegs, was er an herumliegendem Krempel kriegen kann, weicht den Geistern aus und jagt sie, sobald er eine Superkräfte verleihende Erdbeere erwischt hat.

Den Pac-Man spielt in dem Video der Komiker Rémi Gaillard. In Frankreich ist der 34-Jährige mit Web-Videos ein Star geworden. Seine kurzen Filme funktionieren allesamt so wie der Pac-Man-Clip: Versteckte Kamera filmt absurde Gags vor ahnungslosen Menschen. Gaillard stürmt als Pac-Man nicht nur durch den Supermarkt. Er rennt auch in ein Billard-Bistro und klaut Kugeln. Und er läuft über einen Golfplatz, wo er sich einen Ball schnappt – daraufhin prügelt ihn ein Golfer mit seinem Schläger.

Das Pac-Man-Video endet, als Gaillard zum dritten Mal hinfällt. Nach der Logik des Computerspiels hat er damit sein drittes Leben verloren, im Film wird er von den Sicherheitsbeamten des Supermarkts eingefangen. Ein großartiges Bild: Einem uniformierten Wächter gelingt es nur mit Mühe, Gaillard in seinem dicken, gelben Pac-Man-Kostüm zu umfassen – um dann die grinsende, gelbe Kugel in Richtung Ausgang zu schleifen.

Mit solch intelligenter Krawall-Komik ist Gaillard berühmt geworden, in Frankreich zumindest. Basis für Gaillards Ruhm ist nicht eine Fernsehshow, sondern das Web: Mehr als hundert Clips hat er bei Dailymotion und YouTube veröffentlicht, eine Übersicht findet man auf seiner Website Nimportequi.com und inzwischen hat er auch eine Facebook-Fanseite. Die betreibt er seit 2001. Seitdem haben laut Gaillards Rechnung Zuschauer die Filme mehr als 280 Millionen Mal angesehen.

Der Name seiner Seite ist Teil von Gaillards Slogan, der am Ende jedes Clips steht: „C‘est en faisant n‘importe quoi qu‘on devient n‘importe qui“ – auf Deutsch heißt das sinngemäß: „Wenn du irgendwas machst, wirst du irgendwer.“ Das hat denselben schnodderig negativ-überhöhenden Beiklang wie der flachere deutsche Spruch „Wer nichts wird, wird Wirt“.

Astronaut ärgert Golfer

Geworden ist aus Gaillard durchaus etwas: Er verdient inzwischen auch mit Werbefilmen Geld, die er für Firmen wie Orangina und Nike dreht. Die Unternehmen zahlen für den Gaillard-Stil – und von Stil kann man sehr wohl sprechen. Gaillard ist kein simpler Klamauk-und-Krawall-Komiker, seine Gags und Clips folgen ganz eigenen visuellen und strukturellen Gesetzen.

Da gibt es die einfachen Einschleich-Tricks. Gaillard zieht sich ein Kostüm an (er trägt fast immer Verkleidungen) und kommt je nach Ort und Anzug als Volleyballer, Fußballspieler oder Tennisprofi aufs Feld, um dann das Publikum zu verstören, weil er sich so ganz anders verhält als man es von Menschen in Sport-Uniform auf dem Platz erwartet.

In anderen Clips ist die Komik subtiler: Gaillard trägt eine Verkleidung, die nur im gefilmten Bild zum Ort passt. Wenn er im Astronauten-Anzug in einem Caddy über den Golfplatz fährt, um sich mit langsamen, federnden Schritten eine Fahne zu schnappen, sieht das mit dem entsprechendem Klang im Film nach Mondlandung aus. Die Golfer verstehen die visuelle Logik nicht, sie sehen nur einen Störenfried im Schutzanzug, der ihnen das Spielgerät klaut – umso witziger!

Es gibt sehr laute Gaillard-Clips (er hüpft im Känguru-Kostüm herum und tritt einen Golfer ins Wasser, greift in Hai-Verkleidung Urlauber an), aber auch ganz stille, die wunderbar absurd, aber eben kein Schenkelklopfer sind: Da kriecht Gaillard als Schnecke auf einer Straße vor einer hupenden Autokolonne her, legt als Huhn an einer Händl-Braterei Blumen nieder oder wird neben Passanten als Banane verkleidet von einem Mitspieler im Gorilla-Kostüm erschlagen und fortgeschleift.

So brillant viele dieser Clips sind, so wenig Aufhebens macht Gaillard im Interview darum. Seine Version seiner Lebensgeschichte klingt so: Er begann mit der Filmerei, als und weil er 1999 seinen Job als Schuhverkäufer verlor. Dem deutschen Auslandsfernsehen DW-World erzählte Gaillard: „Ich mache die Filme nur, damit ich mein eigener Chef sein kann. Wenn ich morgens aufstehe, entscheide ich selbst, was ich machen will. Ich mache, was ich will, und ich habe Spaß dabei.“

Seinen ersten Clip drehte er in einer Autowaschanlage: Gaillard duschte sich dort, ein Freund filmte die Reaktion der Kunden. Landesweit bekannt wurde Gaillard 2002, als er nach dem Endspiel um den französischen Fußballpokal im Trikot des Gewinnerteams Lorient auf den Rasen lief, mitfeierte und vom damaligen Präsidenten Jacques Chirac beglückwünscht wurde. Als feiernder Lorient-Spieler gab Gaillard damals Autogramme, Interviews und erschien im Fernsehen, in Zeitungen und angeblich auch auf einem Foto im Jahrbuch des französischen Fußballverbands.

URL:

* http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,619861,00.html

Wuppertal: Ein-Euro-Aktionstag

agenturschluss Wuppertal 20.05.2005 21:03 Themen: Soziale Kämpfe
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„Finger weg vom Geschäft mit den Zwangsdiensten!“

Bericht vom Wuppertaler Stadtrundgang gegen die Vermittlungsstellen und Beschäftigungsträger von Ein-Euro-Jobs am 20. Mai.
Die erste dokumentierte Aktivität fand bereits um 4:45 Uhr in der Frühe statt. Eine kleine Abordnung von Ein-Euro-Job GegnerInnen besuchte Herrn Ahrens, den Leiter der Wuppertaler Caritas zu Hause in der Manteuffelstr. 6, klingelte ihn aus dem Bett und deponierte mehrere Alarmgeräte auf dem Dach und rund um sein Haus. Ein zurückgelassenes Flugblatt erläuterte den ungebetenen Weckdienst so:

Guten Morgen und herzlich willkommen bei der Qualifizierungsmaßnahme des Caritasverband Wuppertal – Lektion Eins: „Die eigene Würde durch zeitiges Aufstehen zurückerlangen“. Die Losung für den heutigen Tag lautet: Nur der frühe Vogel fängt den Wurm.

Für Herrn Ahrens ist das (Wieder-)Erlernen eines geregelten Tagesablaufs und das frühe Aufstehen schließlich ein Hauptziel der Qualifizierungsmaßnahmen für die Ein-Euro-JobberInnen bei der Caritas.

Zu etwas humanerer Zeit besuchten 15-20 Leuten die Recycling-Werkstätten der GESA gmbH , Wuppertals größtem Beschäftigungsträger für Ein-Euro-Jobs. Um die ungefragte Begleitung durch Staatsschutz und Bereitschaftspolizei loszuwerden gelangeten die Leute scheinbar unorientiert über Um-und Waldwege zu den Hallen in der Essener Straße. Hier sortieren u.a. 90 Ein-Euro-Kräfte Elektroschrott, Alt-KFZ und sonstiges Sperrgut. Die (per Order) wenig auskunftsfreudige technische Leitung der Betriebe und die betreuenden Vorarbeiter der Werkstätten konnten die zahlreichen Einzelgespräche erst nach einer halben Stunde mit einem ruppigen Rausschmiss beenden. In diesem Betrieb arbeiten mehrere (verständlich unzufriedene) ALG2 EmpfängerInnen, die nicht „freiwillig“ sondern von der ARGE hierhin geschickt wurden für 1,50 Euro die Stunde – Kein zusätzliches Fahrgeld.

Danach besuchte eine (schlecht ausgebildete) Ein-Euro-Putzkolonne den Leiter der ARGE Wuppertal im Rathaus. Da Herr Lenz selbst nicht zugegen war begnügte sich das lustig maskierte Reinigungspersonal mit dem Besprechungszimmer und dem Sekretärsbüro. Hier wurden recht ungelenk Utensilien von den Schreibtischen gefegt, viel Schmutz hinterlassen und die Akten mit unangenehm scharfen Reinigungsmitteln besprüht. Offenbar gibt es auch hier noch hohen Qualifizierungsbedarf.

Zum Abschluss besuchten die Ein-Euro-AktivistInnen die Wahlkampfveranstaltung der Wuppertaler Grünen und deren Hauptgast, den stellv. NRW-Ministerpräsidenten Vesper. Während dieser Promi-Kochveranstaltung wurde die Bühne in Beschlag genommen, mit Plakaten umgestaltet und die Arbeitsmarktpolitik von Rot-Grün mit Fokus auf die von ihnen eingeführten Ein-Euro-Zwangsdienste angegriffen.
http://www.labournet.de/agenturschluss

Buss Bettag gegen Hartz I V

Endlich wieder!
St. Prekaria 06.11.2005 17:58
Endlich wieder! Buß- und Bettag in Wuppertal

16.November 2005 Treffpunkt zum Bußgang 17:00
an der Mina Knallenfalls Wuppertal Elberfeld / Schwebebahn

1 Euro Jobs abschaffen- Verfolgungsbetreung sabotieren!
Keine Zwangsumzüge! Weg mit Hartz IV!!!
Der Buß- und Bettag ist für evangelische Christen ein Tag der Besinnung und Neuorientierung im Leben. Der Gedenktag dient dem Nachdenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer wie beispielsweise Ausländerhass, Umweltzerstörung und die Ausgrenzung von Armen und Obdachlosen.
Der Buß- und Bettag ist aus aktuellem Anlass 2005 der Problematik der Ein Euro Jobs gewidmet. Wir wollen beten, dass all die evangelischen Einrichtungen, die sich da so frech und maßlos am Unglück und Elend der Erwerbslosen bereichern, umkehren. Wir rufen die Verantwortlichen von Hartz IV in Wuppertal! Kehret um in eure sozialdemokratisch-grüne Vergangenheit, als ihre lange Haare hattet, nackt durch die Mensa demonstriertet (einem nackten Studenten kann man nicht in die Kasse greifen) und schlechtes Kabarett spieltet, als ihr noch gegen Volkszähler und Volkszählung wart. Tuet Busse, da ihr die Menschen drangsaliert habt, da ihr sie aus den Wohnungen jaget wollt, da ihr sie mit eurem Prüfdienst aus dem Hartz IV Bezug treiben wollt.
Betet für euren Scheinheiligen Clement, der jetzt in der Hölle schmort, weil er so widerlich mit Nazisprache Erwerbslose beleidigt hat!
Wir wissen um eure Zweifel, eure Ängste. Für viele Menschen scheint vor der Zukunft ein großes Minus-Zeichen zu stehen. Wer schafft die Wende? Woher kommen die Impulse für die Gestaltung einer besseren Zukunft? Und ist die Lage wirklich so hoffnungslos?
Schon seit der Reformation ist der Buß- und Bettag ein Feiertag an dem wir Christen zur Selbstbesinnung aufrufen und auf gesellschaftliche Missstände hinweisen. Wir fordern jede Einzelne/jeden Einzelnen auf sich in gesellschaftliche und politische Diskussionen und Entwicklungen aktiv einzubringen, durchaus auch einzumischen.
Buße versteht Mensch im Protestantismus als Umkehr und Sinnesänderung. In diesem Sinne fordern wir die caritativen Organisationen der christlichen Kirchen auf, endlich keine 1-Euro-Jobber mehr zu beschäftigen. Wir finden es unerträglich, dass christliche Organisationen Arbeitslose schamlos ausbeuten und davon finanziell profitieren.

Außerdem jährt sich die Abschaffung des Buß- und Bettages als arbeitsfreier Feiertag in diesem Jahr zum zehnten Mal.
1995 wurde der Buß- und Bettag auf Wunsch der Arbeitgeber als gesetzlicher Feiertag gestrichen. Die Mehrarbeit sei nötig um die Pflegeversicherung zu finanzieren, hieß es. Die ziemlich widerstandslos hingenommene Abschaffung war damals ein Kristallisationspunkt in der bis heute geführten neoliberalen Diskussion um die zu hohen Lohnnebenkosten in Deutschland, das nicht mehr finanzierbare Sozialsystem, die Flexibilisierung der Arbeit und ähnlicher Unbill.
Gläubige, holen wir uns diesen Feiertag zurück!

Jesus aber auch Mao Zedong verheißen, dass unser Glauben die Welt verändern, ja sogar Berge versetzen kann (Matthäus 17,20; Mao, Gesammelte Reden). Wir Gläubigen aus dem Bergischen Land, die wir dieser Zusage vertrauen, wir können auch in schwierigen Zeiten Verantwortung übernehmen, wir können uns einmischen, ein Zeichen setzen. Es kommt nur darauf an, dass einer anfängt. Zeigt den Herrschenden euren Widerstand! Kommt zum Buss-Bettag nach Wuppertal!

Sankt Prekaria bitte wirke ein Wunder in Wuppertal
(aber nicht nur wieder ein Regenwunder, diesmal wollen wir ein richtiges)

V.I.S.P. Junge Christen unterwegs, Freundeskreis Huschhusch, Agenturschluss Wuppertal, Jünger und Schwestern der St. Prekaria Bergisch Land und viele Hartz IV -Betroffene




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