Aufruf zur Befreiungsfeier am 8./9.Mai 2010 in Mittenwald!

AK Angreifbare Traditionspflege/ Neue Folge
angreifbare.tradition@yahoo.de

http://twitter.com/AngreifbareTrad

„Da sind wir aber immer noch“ (Oktoberklub 1979)

Schluss mit dem NS-Kriegsverbrecher-Treffen in Mittenwald!

Kommt am 8.Mai 2010 zur Befreiungsfeier am neuen Denkmal in Mittenwald!
Liberation-Tour durch Oberbayern. Kundgebung, Zeitzeugenveranstaltung und Proteste gegen das NS-Kriegsverbrechertreffen auf dem Hohen Brendten

Als bundesweiter Zusammenschluss AK Angreifbare Traditionspflege versuchen wir seit 2002, in Zusammenarbeit mit der VVN-BdA offensiv an die Kriegsverbrechen der deutschen Gebirgsjäger zu erinnern und gegen das letzte große Veteranentreffen der Wehrmacht zu demonstrieren.

Wir sind hocherfreut, dass die Mittenwalder Bevölkerung samt ihrer gewählten Vertreter nach acht Jahren zäher und schwieriger (internationaler) Überzeugungsarbeit beginnt, öffentlich über die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger zu sprechen und dies mit der Einweihung eines würdigen Denkmals für alle Zeiten besiegelt. Es ist wunderbar, dass es jetzt dieses schöne Denkmal vor der Grund- und Hauptschule mitten in Mittenwald gibt. Vorbei ist die Zeit, in der Hakenkreuzorden ganz ungeniert durch Mittenwald getragen wurden. Mit Hilfe der Kirchen und der Lehrkörper werden zum ersten Mal nach 65 Jahren Überlebende des Nationalsozialismus in der Gemeinde begrüßt und willkommen geheißen, endlich öffnet die Gemeinde Mittenwald Widerstandskämpfern und Holocaust-Überlebenden ihre Gasthäuser, Schulen und Gemeindezentren.

http://www.keine-ruhe.org/node/154

http://www.neues-deutschland.de/artikel/167249.vom-feind-umarmt.html

http://www.merkur-online.de/lokales/nachrichten/stein-anstosses-ende-proteste-nicht-sicht-675881.html

Es hat sich offensichtlich viel geändert in Mittenwald. Sogar der Altbürgermeister Hermann Salminger, der Sohn des Kriegsverbrechers Josef Salminger, trat ab und verscherbelte für 15.000 Euro bei ebay die Hinterlassenschaften seines Vaters (Ritterkreuz, Fotos und andere Erinnerungsgegenstände aus der Kampfzeit). Leider wissen wir nicht, was Salminger junior mit dem vielen Geld gemacht hat.

Nichts geändert hat sich bei der Bundeswehr.

Leider halten sich die Bundeswehr und der „Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V.“ nicht an den Deal. Der versprochene Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan und die Auslieferung aller NS-Kriegsverbrecher wurde nicht eingehalten. Mehr noch. Sie laden auch dieses Jahr wieder ehemalige Angehörige von Wehrmacht und Waffen-SS zur Veteranenfeier auf den Hohen Brendten ein.
Für das letzte große Soldatentreffen von Hitlers Wehrmacht in Deutschland haben sie zudem noch ein historisch bedeutsames Datum gewählt: Ausgerechnet am 8. und 9. Mai, also am 65. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, wollen die greisen Gebirgsjäger und ihrer Unterstützer aus der Bundeswehr ganz ungeniert ihren Kameradschaftsabend und ihren Feldgottesdienst feiern.

Auch wenn es die Tourismusbranche in Mittenwald schmerzt, werden wir es uns nicht nehmen lassen, dieses Jahr erneut wieder nach Mittenwald zu mobilisieren und gegen das letzte NS-Kriegsverbrechertreffen in Deutschland zu demonstrieren.

Die geneigte Presse wird sich erinnern. Der „Stein des Anstoßes“ für unsere Proteste in Mittenwald seit 2002 war und ist das NS-Kriegverbrechertreffen auf dem Hohen Brendten und die Straflosigkeit der Täter. Es gibt keinen politischen Grund, jetzt die erfolgreiche Kampagne abzubrechen.

Wir rufen daher auf: kommt nach Mittenwald und feiert mit uns zusammen am neuen Denkmal die Kapitulation Nazideutschlands und die Befreiung vom Nationalsozialismus.
Mit eurer Hilfe organisieren wir ein anspruchsvolles „Rahmenprogramm“. Die Themen liegen nach den letzten Skandalen der Gebirgsjäger in Mittenwald auf der Hand:

In Mittenwald zeigt sich bis heute exemplarisch, dass die NS-Vergangenheit in den neuen Kriegen und sozialen Auseinandersetzungen bei aller Modernisierung präsent bleibt.
Mittenwalder Gebirgsjäger quälen sich nicht nur gegenseitig mit der Einnahme von Schweineleberspezialitäten, sondern sie sind vor allem an allen Kriegseinsätzen der Bundeswehr führend beteiligt. Mittenwalder Gebirgsjäger und ihre Offiziere sollen der Welt deutsche Demokratie bringen und werden bis heute von Wehrmachtssoldaten, Waffen-SS’lern und Gebirgsjäger-Polizisten sozialisiert, die nachweislich an Massakern an Zivilisten und an Deportationen von Jüdinnen und Juden beteiligt waren. Auf Kameradschaftsabenden und in der Vereinspostille „Gebirgstruppe“ geben sie seit Jahrzehnten ihre „Erfahrungen mit den hinterhältigen Partisanen“ ungestört und unverblümt an künftige Generationen von Gebirgsjägern weiter und leugnen gleichzeitig ihre Beteiligung an Massakern und an der Ermordung von Jüdinnen und Juden.
Da die deutsche Justiz bei der Strafverfolgung von NS-Tätern im Schneckentempo arbeitet und die deutschen Täter trotz Verurteilungen in Italien nicht ausgeliefert werden, treiben sich am Hohen Brendten in Mittenwald – nach wie vor – die Veteranen der 1., der 5., der 157. und der 188. Gebirgsdivision, der 6. Waffen-SS-Division Nord und des SS-Polizei-Gebirgsjäger-Regiments 18 herum, die für zahlreiche Massaker auf Kephallonia, Korfu, Kreta, im Vercors, in Kommeno und Camerino und für die Deportationen der Athener Jüdinnen und Juden nach Auschwitz verantwortlich sind.

Unsere bisherige Planung:

Wir planen natürlich auch eine Zeitzeugenveranstaltung und eine Demonstration gegen das Kameradschaftstreffen im Gasthof Gries. Am Sonntag, den 9. Mai 2010, werden wir u.a. mit Hilfe von Abgeordneten den Feldgottesdienst am Hohen Brendten inspizieren und rufen unter dem Motto „Berg Frei!“ zu Protestwanderungen auf.

Wir sind die letzten! Fragt uns!

Seit 2002 versuchen wir in der Mittenwaldmobilisierung Holocaust-Überlebende und WiderstandskämpferInnen und deren Angehörige einzubeziehen. Sie waren und sind ein wesentlicher, für uns der wichtigste Teil der Mobilisierung gegen das Kriegsverbrechertreffen. Sie sind der lebendige Ausdruck für die Legitimität und die Möglichkeit von Widerstand. Unvergessen für uns waren die Begegnungen mit Peter Gingold, Richard Wadani, Christina Dimou, Max Tzwangue, Jacquot Szmulewicz,Ivan Kristan, Agyris N. Sfountouris, Nikos Fokas, Ludwig Baumann, Amos Pampaloni, Enzo und Marcella di Negri, Maurice Cling.

Wir danken Euch für euer Vertrauen und für eure Mithilfe im Kampf gegen NS-Täter und gegen die Militärs in Mittenwald und anderswo. Es gibt uns für uns keinen Grund, in Mittenwald und anderswo damit aufzuhören, Zeitzeugen zu treffen und einzuladen, solange es noch geht.

Von Aachen nach Mittenwald! Der Weg ist das Ziel!

Nach der erfolgreichen Kampagne für die Bestrafung des SS-Mörders Heinrich Boere wollen wir uns weiteren Tätern widmen. Anders, als man denkt, leben noch etliche NS-Täter, die noch auf antifaschistischen Hausbesuch warten. Wir rufen dazu auf, die lange Anfahrt nach Mittenwald zu nutzen.

Im Schwur von Buchenwald heißt es unmissverständlich:
„Wir lebend gebliebenen, wir Zeugen der nazistischen Bestialitäten sahen in ohnmächtiger Wut unsere Kameraden fallen. Wenn uns eins am Leben hielt, dann war es der Gedanke: Es kommt der Tag der Rache! Heute sind wir frei! Wir danken den verbündeten Armeen, der Amerikaner, Engländer, Sowjets und allen Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt Frieden und das Leben erkämpfen. Wir gedenken an dieser Stelle des großen Freundes der Antifaschisten aller Länder, eines Organisatoren und Initiatoren des Kampfes um eine neue demokratische, friedliche Welt, F. D. Roosevelt. Ehre seinem Andenken! Wir führten in vielen Sprachen den gleichen, harten, erbarmungslosen, opferreichen Kampf und dieser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere sadistischen Peiniger frei herum!
Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauens: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.
Das sind wir unseren gemordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“

Da die deutsche Linke – mit Ausnahme der VVN – sich erst sehr spät mit der Frage der NS-Täter beschäftigt hat, gibt es auch heute 65. Jahre nach der Befreiung vom NS keinen politischen Grund mit dieser Arbeit aufzuhören.

Die Planung im einzelnen:

Der Weg ist das Ziel
7.Mai 2010
Eine Reisebus sammelt die Protestwilligen ein. Auf der Fahrt nach Mittenwald sind Zwischenstopps und Kundgebungen bei nicht verurteilten NS-Kriegsverbrechern geplant. Wir bereiten u.a. Kundgebungen bei den SS-Leuten Klaas Faber in Ingolstadt und bei Sören Kam in Kempten vor. Diese Aktionen werden mit den lokalen Bündnissen vorbereitet.

8.Mai 2010 Liberation-Tour
Für den Samstag ist für den Vormittag eine antimilitaristische Kaffeefahrt geplant. Wir „besichtigen“ die Nato-Schulen von Oberammergau und Garmisch-Partenkirchen und besuchen die Gräber von Deserteure in der Region.

Ab 15:00 Zeitzeugenveranstaltung am neuen Denkmal für die Menschen, die von der Gebirgstruppe getötet wurden.

17:00 Kundgebung und Demonstration gegen das Kameradschaftstreffen

19:00 Konzert

9.Mai 2010 Aktionen gegen die Brendten-Feier
Ab 8:00 Uhr Protestwanderung auf dem Hohen Brendten zum Gebirgsjäger-Denkmal.

10:30 Inspektion des Feldgottesdienstes mit Bundestagsabgeordneten

12:00-15:00 Uhr Kundgebung in Mittenwald

Wir brauchen – wie immer – viel Geld!

Spendenkonto: Freie Medien Postbank Essen Kto 470834437, BLZ 36010043 Stichwort Mittenwald

Im April gibt es ein bundesweites Vorbereitungstreffen und verschiedene Mobilisierungsveranstaltungen. Achtet auf Ankündigungen


1 Antwort auf „Aufruf zur Befreiungsfeier am 8./9.Mai 2010 in Mittenwald!“


  1. 1 Administrator 21. März 2010 um 10:26 Uhr

    Denkmal für Nazi-Opfer in Mittenwald
    Von Hermann Weiß 21. März 2010, 04:00 Uhr Welt

    Das dunkle Erbe der Gebirgsjägertruppe

    Ein Denkmal soll künftig in Mittenwald an die Opfer von Verbrechen erinnern, die von der einheimischen Gebirgsjägertruppe im Zweiten Weltkrieg begangen wurden. Nach jahrelangen Kontroversen und teilweise bitteren gegenseitigen Anfeindungen hat die Gemeinde damit einen Weg gefunden, um mit dem schweren, historischen Erbe umzugehen. Das Denkmal soll am heutigen Sonntag von der Gemeinde Mittenwald, dem Arbeitskreis „Angreifbare Traditionspflege“ sowie Überlebenden des Holocaust offiziell eingeweiht werden. Oberbürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) erhofft sich davon einen „versöhnlichen Abschluss“ der quälenden Debatte.

    Nicht nur wie man mit der Geschichte umgehen sollte, war in Mittenwald lange umstritten. Umstritten war auch das Denkmal. Der Arbeitskreis hatte es 2009 während einer Demonstration gegen die Traditionspflege des Kameradenkreises der Gebirgsjäger vor dem Bahnhof Mittenwald aufgestellt. Die Gemeinde hatte es wieder entfernt, weil es „widerrechtlich und ohne Rücksprache mit dem Besitzer auf öffentlichem Grund aufgestellt“ worden war. Gemeinsam suchte man nun nach einem anderen Platz – und fand ihn vor der Grund- und Hauptschule.

    Das Denkmal besteht aus einer massiven Metallstele und einer Glasvitrine mit der Inschrift „Nie wieder Faschismus“. Hinter dem Glas liegen Steine und Überbleibsel aus den Ruinen des von Gebirgsjägern am 27. Juni 1944 zerstörten italienischen Ortes Falzano di Cortona, die von der dortigen Gemeinde gestiftet wurden. Das brutale Verbrechen ist in Falzano bis heute unvergessen: 15 Zivilisten waren dort als Vergeltung für einen Partisanenüberfall erschossen worden. Auch die Erschießung von mehr als 4000 italienischen Soldaten auf der griechischen Insel Kephallonia 1943 geht auf das Konto der Gebirgsjäger, deren Kameradschaftskreis trotzdem jahrzehntelang, seit 1952, Gedenkfeiern für seine gefallenen Soldaten organisierte.

    Der politische Druck des Arbeitskreises „Angreifbare Traditionspflege“ hatte dazu beigetragen, dass sich ein Mitglied des Kameradenkreises, Josef Scheungraber, im vergangenen Jahr in München vor Gericht verantworten musste und wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Scheungrabers Einheit war an der Ermordung der 15 Zivilisten in Falzano di Cortona beteiligt gewesen.

    Zur heutigen Feierstunde hat neben Mittenwalder Offiziellen, Vertretern beider Kirchen und noch lebenden Zeitzeugen auch der Bürgermeister der Gemeinde Cortona, Andrea Vignini, sein Kommen zugesagt. Ein schwerer Gang. Aber auch ein Zeichen der Hoffnung. ws

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.



Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: