Sperrmüll

Der Sperrmüll bleibt frei!
KOD und Ordnungsamt, Hände weg von unserem Sperrmüll 

15.September Wuppertal-Ölberg
Internationales Straßenfest zu Ehren der St. Prekaria
auf dem Ölberg Brunnenstraße ab 18:00 Uhr

Seit geraumer Zeit verfolgt das Wuppertaler Ordnungsamt mit seinen verkleideten und schlecht bezahlten Hilfssheriffs vom Kommunalen Ordnungsdienst KOD einen repressiven Kurs gegen SperrmüllsammlerInnen aus dem In- und Ausland. Statt froh zu sein, das sich Touristen aus Barmen, Amerika und aus der Ukraine sich für unsere Sperrgüter interessieren, werden sie frecherweise kriminalisiert. Bußgelder für Gartenzwerge und Stofftiere, die unerlaubt vom Sperrmüll geholt werden, sind nur Spitze der Unverschämtheit. Sogar Parkkrallen werden gegen diejenigen eingesetzt, die das Sofa nicht von Beyenburg nach Elberfeld tragen können.

Die örtliche Monopolzeitung spielt dabei auch noch die rassistische Karte aus. Zur Hatz freigegeben ist der „gewerbliche Mülltourist aus dem Osten“ mit seinen Dieselfahrzeug, das nicht mal ein Russpartikelkatalysator hat. Die Hetze ist unsäglich, die Menschen, die im deutschen Wohlstandsmüll stöbern und davon ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, werden als „Müllflederer“ diffamiert. Besonders unverschämt ist es, die einheimischen SperrmüllfreundInnen gegen die Weitgereisten auszuspielen.

Sie wagen es, in Zeiten von Hartz IV, in Zeiten von Zwangsumzügen, Ein Euro Zwangsdiensten und Sozialsamtsschnüfflern den freien Zugang zu Sperrmüll zu begrenzen. Das Ordnungsamt, dass schon länger durch seine Beteiligung an Razzien gegen Papierlose und SchwarzarbeiterInnen, ungünstig aufgefallen ist, laden wir in die Elberfelder Nordstadt ein, den Sperrmüll zu bewachen. Sie werden an diesem Donnerstag keine Zeit haben sich an Razzien und Abschiebungen zu beteiligen, sie müssen sehr flink sein, um alle Gartenzwerge, Sofas und Computer zu bewachen…

Wir werden an diesem Donnerstagabend ganz offensiv unseren Anspruch auf freie Verteilung von sperrigen Gebrauchsgütern in der Elberfelder Nordstadt durchsetzen. Wir werden unseren Sperrmüll gegen die Müllschnüffler vom Ordnungsamt verteidigen und wir werden uns große Mühe machen, die Sperrmüllgeschenke ansprechend auf der Straße zu präsentieren. Unsere Festmeile beginnt in der Brunnenstraße. Es wird gegrillt und Musik gemacht. Eine Ausdehnung in alle Straßen ist ausdrücklich erwünscht!
Drapiert eure Sperrgüter, präsentiert eure Alt Kleider im Kleiderschrank

Wir rufen alle AnwohnerInnen auf, gemeinsam mit uns das Fest zu Ehren der St. Prekaria, der Schutzheiligen der SperrmüllfreundInnen und Prekarisierten zu feiern. !!

Im Anschluss an die Sperrmüllfete werden wir zu Ehren der Schutzheiligen St. Prekaria einen Umzug gegen Hartz IV und für ein würdiges Leben machen. Die Prozession wird ganz feierlich und ungeniert zum Sperrmüll der Wohlhabenden gehen.

 Keine Kriminalisierung von Gartenzwergen, MülltouristInnen und Dieselfahrzeugen aus dem In- und Ausland !

 Mit Grillgut, Musik und schnellen Dieselfahrzeugen gegen den Kommunalen Ordnungsdienst KOD !

Alles für alle und zwar umsonst!!!
KOD verpisst euch!!

Freundeskreis Zuckerfritz, Mina Knallenfalls und Husch-Husch

http://www.sanktprekarius.tk

Ein Zwerg vom Sperrmüll für 225 Euro

Der Kommunale Ordnungsdienst sieht klare Erfolge gegen Müll-Touristen. Bei der AWG mehren sich die allerdings die Beschwerden.

Wuppertal. Es ging um einen Gartenzwerg, ein Paar Schaufeln für die Sandkiste und eine Handvoll Spielzeugautos. Die hatte Familienvater Christian B. auf einem Sperrmüllhaufen auf der Beyenburger Straße entdeckt. Der Haken daran: Das Kinderspielzeug lag beim Sperrmüll. Und der steht in Wuppertal unter Beobachtung.

Das bekam Christian B. bei seinem Ausflug nach Beyenburg zu spüren. Zwei Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) sprachen den Sucher an. Der war sich keiner Schuld bewusst. Es war doch nur Spielzeug. Doch die städtische Abfallordnung lässt wenig Spielraum. Das Ende vom Lied: ein Bußgeldbescheid über 225,60 Euro.
Christian B. ist entsetzt. „Das kann doch wohl nicht sein.“ Doch Carsten Vorsich vom Ordnungsamt verteidigt die harte Linie: „Wir sind an die Vorschriften gebunden. Unsere Vorgaben sind eindeutig.“ Kein Pardon mehr in Sachen Sperrmüll für den Otto-Normal-Verbraucher im Tal?

Zur Erinnerung: Mit der Umstellung vom so genannten Kartensystem – die individuelle Sperrmüllbestellung eines jeden Haushaltes auf den Sperrmüllkalender – setzte eine regelrechte Invasion von Müll-Touristen, vornehmlich aus Osteuropa ein. Per Kleintransportern durchforsteten die zum Teil wenig zimperlichen Müll-Trupps die Wohnquartiere. Ergebnis: Zerschnittene Müllsäcke samt auf der Straße und Bürgersteigen verstreutem Inhalt, demolierte Kühlschränke, genervte Anwohner, die sich zum Teil mitten in der Nacht wir auf der Verladerampe im Güterbahnhof fühlten.
Der KOD sollte es richten. Die Schreckensinstrumente dafür: hohe Geldbußen für die offensichtlich gewerbsmäßig arbeitenden Müll-Fledderer. 106 Fälle hat das Ordnungsamt im vergangenen Jahr gezählt. Bis zu 500 Euro betragen die verhängten Ordnungsgelder. Die KOD-Leute geben kein Pardon mehr.
Die Müll-Sucher müssen gleich vor Ort zahlen. Weil sie das nicht immer können, legt die Stadt die Hand auf den eingesetzten Wagen.

Zwischenzeitlich waren deshalb städtische Parkkrallen in Gebrauch. Davon ist der KOD wieder etwas abgerückt. Die professionellen Sperrmüll-Sucher ließen sich nicht so ohne weiteres an die Kette legen. Wie die WZ erfuhr, sollen diverse Besatzungen die städtische Kralle in einer Nacht- und Nebelaktion wieder abmontiert haben. Vorsich nimmt`s gelassen: „Keine Ahnung wie die das hingekriegt haben.“ Mittlerweile sei man dazu übergegangen, zahlungsunfähige Müll-Sünder mit Polizei und KOD-Einsatzwagen zu einem städtischen Parkplatz zu eskortieren. Den Wagen gibt`s erst gegen Bares zurück. Das Ergebnis kann sich laut Carsten Vorsich sehen lassen. Seine Einschätzung: „Wir haben die gewerblichen Müll-Fledderer verdrängt.“

Und der nicht-gewerbliche Otto-Normal-Schnäppchen-Sucher? Vorsich verweist auf seine Vorgaben. Bei der Abfallwirtschaftsgesellschaft (AWG), die quasi die Hoheit über den Wuppertaler Sperrmüll hat häufen sich die Beschwerden über die harte Linie des KOD. Der Gartenzwerg-Fall aus Beyenburg einer von vielen? AWG-Sprecherin Ursel Simon: „Ich würde mich über mehr Fingerspitzengefühl des KOD freuen.“
Im Fall des Christian B. ist da wohl nicht mehr viel zu machen. Natürlich gebe es vor Ort einen gewissen Ermessensspielraum. Das komme immer auf die Einsicht und Kooperationsbereitschaft der Bürger an. Und natürlich gibt es noch den Weg vors Amtsgericht. Dort hat laut Ordnungsamt allerdings noch kein Beschwerdeführer gesiegt. Vorsich: „Vor Gericht haben wir eine Quote von 100 Prozent.“
• www.awg.wuppertal.de
Westdeutsche Zeitung 03.08.05





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